Blauer Haufen

Blauer Haufen – das Paradies der Hunde

24. April 2015

Wuff wuff,

vorhin habe ich wieder mit Herrchen unseren Vormittags-Spaziergang gemacht. Da gehen wir gemeinsam eine sogenannte „Große Runde“, obwohl die Bezeichnung wohl mehr von Frauchen stammt, denn ich habe mit Herrchen schon größere Ausflüge gemacht. Er klagt aber im Moment über sein Knie.
Wenn er auf seinem iPad genug rumgetippt und rumgeguckt hat, kann er meinem flehenden Blick irgendwann nicht mehr widerstehen und wir ziehen los.
Dabei haben wir wohl gemeinsam festgestellt, dass jeder von uns beiden ein paar freudvolle Momente braucht, um am Ende zufrieden nach Hause zu kommen.
Am Anfang muss ich ihm das Gefühl geben, dass ich ein gehorsamer Hund bin, der nicht auf die Straße läuft und kontrolliert neben ihm bleibt.
Soll er es ruhig glauben, denn so erarbeite ich mir Wohlwollen auf der Hundewiese vorm Haus. Hier erledige ich auch gerne die großen und kleinen Geschäfte, denn schließlich bin ich der Hund eines Geschäftsmanns.
Nun beginnt eigentlich der spannende Teil, denn man weiß nie, wem man heute noch begegnet.
Komischerweise haben die anderen Hunde immer ein „Frauchen“ dabei, während ich mit „Herrchen“ meine Runden drehe. Habt Ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, was für bescheuerte Bezeichnungen Ihr Menschen vergebt?!
Wenn ich mit Pauline oder Carlotta eine Runde drehe, sind das dann „Kindchen“?
Aber jetzt komme ich schon wieder vom Thema „Blauer Haufen“ ab.
Da sich dort nahezu alle Hunde der Stadt treffen, könnte man diese herrliche, große Wiese eigentlich „Brauner Haufen“ nennen, denn hier wird von den Hundehaltern großzügig darauf verzichtet, „Geschäfts-Erfolge“ einzutüten und im Restmüll zu entsorgen. Muss ich extra erwähnen, dass es die gleichen Hundehalter sind, die den Leinenzwang etwas weitläufiger interpretieren?
Die Farbbezeichnung „blau“ bezieht sich wohl auf das Heidekraut, das ich aber selbst noch nie hab blühen sehen.
Früher, nach dem 2. Weltkrieg, haben die Engländer aus dem Blauen Haufen einen kleinen Golfplatz gemacht, der aber mangels Pflege und mit Hilfe von uns Hunden längst nicht mehr erkennbar ist. Da wächst nun die Heide, sofern sie nicht ein Fallschirmflieger bei der Landung zertrampelt. Die versuchen aber geschickt Heidekraut, Hundehaufen oder Hunde allgemein zu meiden.
An sonnigen Tagen genießt Herrchen den blauen Blauen Haufen, weil wir je nach Lust und Laune anderen aus dem Weg gehen können.
Hundehalter haben die Neigung (Herrchen spricht von einem „unstillbaren Verlangen“), mit anderen ins Gespräch kommen zu wollen.
Das kann den eigenen Gedankenfluss doch ein wenig stören, und das Gefühl und Bedürfnis, im Einklang mit der Natur zu sein, ist scheinbar nicht jedermanns (oder „jederfraus“) Sache.
Ich sehe das recht locker, denn jeder findet meinen Namen originell und gut merkbar.
Meine Farbe scheint auch etwas Besonderes zu sein und netterweise finden mich auch noch alle „total schön“. Das macht natürlich stolz, obwohl Alma noch schöner ist als ich. Aber warten wir doch mal das Geschwistertreffen morgen ab.
Da wird vielleicht auch unter uns Hunden getuschelt. („Guck mal, der ist ja immer noch so fett!“)
Bei mir werden die Anderen vielleicht sagen: „Guck mal, der „kleine“ Carl Otto!“
Ihr müsst wissen, ich war unter den 12 Geschwistern der Kleinste.
Aber warten wir doch mal ab, wer sich morgen zeigen wird.
Ich werde natürlich auch gespannt auf das Urteil der Menschen hören.
Ach übrigens, wusstet Ihr, dass wir Hunde eigentlich farbenblind (wie Herrchen) sind.
Unsere seltene Farbe „Foxred“ können wir gar nicht als solche sehen und wertschätzen. Farbenblindheit ist bei den Menschen primär auf die Männer beschränkt, daher loben wohl hauptsächlich Frauchen meine Farbe.
Apropos „Foxred“, Ihr glaubt gar nicht, wie viel „Fuchs“ in uns Hunden steckt. Da habe ich mich mal bei Wikipedia schlau gemacht, denn auf der Hundewiese werden wir meist mit Wölfen verglichen.
So ein Quatsch, denn bei dem ersten Hund, den ich heute getroffen habe, war wirklich überhaupt nichts, was an einen Wolf erinnert. Eher an ein Wiesel, denn der war wirklich „wieselflink“, was ich neidlos anerkennen musste.
Der Name war allerdings so komisch, dass ich ihn schon wieder vergessen habe.

Im Moment liegt scheinbar im Trend, sich einen „verwahrlosten Hund aus dem Ausland “ zu holen. Herrchen nennt diese armen Tiere „ausländische Straßenköter mit Trauma und exotischen Krankheiten“ , und das stimmt wohl auch im Kern, obwohl „aufwändig importierte Mischlingshunde mit therapeutischer und medizinischer Hilfsbedürftigkeit“ irgendwie positiver klingt.
Solche Hunde werden in der Regel nur von „Frauchen“ gesucht und gefunden.
Was gibt es da zu kompensieren? Warum müssen diese armen Geschöpfe so lange Strecken zurück legen?
Wir müssen uns ja auch mit diesen armen Kreaturen beschäftigen, die sich in der einen oder anderen Richtung als Problemfall am Blauen Haufen entpuppen.
Ob die entsprechenden Frauchen von Herrchen auch als „Problemfall“ eingestuft werden, habe ich noch nicht heraus gefunden.
Da Tessa und Gudrun solche „Import-Hunde“ haben, wird er sich wohl auch hüten, dazu eine klare Meinung zu formulieren.
Andererseits muss man es aber auch so sehen, dass diesen armen Hunden geholfen wird und sie so eine tolle zweite Chance bekommen.

Mir als Hund kann es ja eigentlich völlig egal sein, wer sich aus welchen Gründen auch immer welchen Hund anschafft.
Trotzdem macht man sich da so seine Gedanken und versucht, zwischen Hund und Hundehalter Zusammenhänge herzustellen.
Das ist bei einer Gruppe von 5 oder mehr Hundehaltern schon ein interessantes Spiel.
Da gibt es einmal den Typ der „Ähnlichen“, frei nach dem Motto: „Dicke Frau hat dicken Hund“ oder „Hübsche Frau hat hübschen Hund“ (wie z. B. bei Alma oder Aika).
Aber das würde jetzt wirklich zu lange dauern, das genauer zu analysieren.

Ich unterscheide die Hundehalter mal grob und egoistisch in zwei Gruppen: „mit Leckerli“ und „ohne Leckerli“.
Die entscheidende Frage für einen Labrador wie mich lautet: „Was muss ich tun, um ein Leckerli zu bekommen.“ (Von der anderen Gruppe ist ja bestenfalls ein Lob zu bekommen, aber davon wird man nicht satt.)
Es ist die hohe Kunst, sich in der Gunst der „Leckerli-Gruppe“ hochzuarbeiten, aber ich werde immer besser und weiß, was zu tun oder zu lassen ist, um ein Leckerli zu erarbeiten.
Aika hat da neulich doch eine etwas merkwürdigere Taktik eingeschlagen. Erst beißt sie einem Boxer ins Ohr und dann bekommt sie vom Boxer-Frauchen ein Leckerli.
Liebe Menschen, denkt doch mal nach, was andere Hunde daraus lernen!
Hat Aika mitbekommen, dass ihr Frauchen der Dame am Ende 55 Euro für die Arztrechnung geben musste? – teures Leckerli!
Es ist halt auch nicht jeder Hund mit einer „hunde-philosophischen Grundsatz-Ethik“ ausgestattet wie ich.
Grundsätzlich sind wir ja bereit, für ein Leckerli vielerlei Dinge zu tun, aber liebe Menschen: bitte beachtet die Grundregeln!
„Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu“, so lautet doch ein Grundsatz menschlichen Miteinanderlebens.
Natürlich stehen wir Hunde recht sicher auf vier Pfoten im Leben, so dass uns so schnell nichts umwirft, aber lasst uns bitte angemessene Dinge tun, damit wir unser Leckerli ehrlich verdient haben.
Das ist doch eigentlich ein sauberes Geschäft.
Natürlich könnte man als Hunde-Philosoph auch die andere Seite der Medaille betrachten.
Was ist, wenn ich die Leckerli von fremden Hundehaltern erwerbe?
Welche Konsequenzen hat dies für deren eigenen Hund?
Muss er nun darben?
Wie sollen sich Hunde moralisch korrekt verhalten, deren Frauchen keine Leckerli dabei haben?
Mit zu vielen Gedanken kann man sich allerdings ganz schön den Tag versauen oder unnötig verrückt machen.

Am Blauen Haufen gelten daher die „sportlichen Regeln“ und die „freie Marktwirtschaft der Leckerlies“, nach dem Motto: „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und „Was drin ist, das ist drin“ (außer bei Hirschlosung).

Am Ende einer großen Runde gebe ich Herrchen übrigens wieder das gute Gefühl, mich mit seinen Kommandos im Griff zu haben. Denn spätestens, wenn wir nach Hause kommen, bringt er seine Zufriedenheit mit Leckerlies zum Ausdruck.
Die Moral: Das Leben
ist ein Nehmen und Geben!
Anders herum wäre es sinnvoller, aber dann reimt es sich nicht.

Es grüßt Euch als poetischer Hunde-Philosoph

Euer Carl Otto

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