Geld, Freunde und Geburtstage

10. April 2015

Wuff wuff,

nun habe ich in meinem kleinen Hundeleben schon ein Paar Geburtstage in der Familie mitbekommen.
Bei Carlotta fand eigentlich gar kein Geburtstag statt, weil sie nie so richtig weiß, ob und wie man ihn feiern soll. Vielleicht war ich an Ihrem Geburtstag aber auch noch zu klein und kann mich nicht so richtig daran erinnern, denn da war ich erst 9 Wochen alt.
Der Geburtstag von Maxi ist mir jedoch schon eher in Erinnerung geblieben, denn da war es laut und hektisch wie auf einem Bahnhof und Maxis laute Stimme und frohe Stimmung wusste mich schon damals zu beeindrucken.
Da kann man sich ja heute schon ausmalen, was dann bei seinem nächsten Geburtstag auf dem Burgberg los sein wird.
Benny hat seinen Geburtstag, wie Ihr Euch denken könnt, natürlich in der ersten Sekunde mit seinen Kumpels und uns feiern können, um ihn am Abend in ähnlicher Runde wieder ausklingen zu lassen.
Bei Herrchen ging es deutlich ruhiger zu und man feierte in vertrauter Runde. Ab einem gewissen Alter gibt es wohl nichts mehr zu feiern.
Ganz im Gegenteil zu Frauchen, wo sich halb Goslar in unserer Küche zu einem köstlichen Essen versammelte.
Natürlich hatte Frauchen, geplagt von der Sorge, es könnten nicht alle satt werden, an ihrem Geburtstag nochmal sämtliche Vorräte aufgestockt und zusätzliche Suppen gekocht. Sie hätte ganz Goslar einladen können, woraufhin die Familie noch eine Woche lang Suppe geschlürft hätte, bevor man für die Reste den Sperrmüll ruft.
Das war jetzt leicht geschwindelt, damit meine Beine nicht so lang werden, denn ich bin jetzt schon so groß wie Aika. (Oh, schon wieder geschwindelt, aber ”fast”!)

Nun komme ich aber zum heutigen Geburtstagskind Pauline.
Eigentlich, so erzählt man sich hier manchmal, sollte sie ja in der französischen Schweiz sein. Aber so lange ich denken kann, ist sie immer in Goslar gewesen.
Daher kann ich mir auch ein Urteil über ihr Wesen erlauben.
Pauline hat ein recht ausgeprägtes soziales Netzwerk, so nennt man das wohl heute.
Früher sagte man wohl „einen Haufen Freunde“.
Es gibt bei den Menschen scheinbar Möglichkeiten, über kleine Geräte miteinander zu kommunizieren. Dabei kann man wohl schreiben oder sprechen, und so mit anderen Menschen in Kontakt treten, die sich nicht in der Nähe befinden.
Das wirkt auf einen kleinen Hund schon ganz schön befremdlich, wenn mehrere Menschen in einem Raum sitzen und sich mit den kleinen Dingern mehr beschäftigen als mit den Menschen im Raum oder mit mir.
Es gibt bei Freunden scheinbar einige kleine, aber feine Unterschiede. Unterscheiden wir mal zwischen analogen und digitalen oder echten und virtuellen Freunde. Da mag es sicherlich Zwischenstufen geben, aber so ganz verstehe ich das noch nicht mit meinem kleinen Hundehirn.
Es scheint mir aber so zu sein, dass sich die Menschen immer mehr mit den Freunden im virtuellen Raum beschäftigen, und die in unmittelbarer Nähe vernachlässigen. Wie muss man sich das aber dann vorstellen, wenn sie mit den virtuellen Freunden in einem Raum sitzen? Dann sind ja plötzlich die heute „analogen Freunde“ die virtuellen. Ihr versteht?! Der Gedanke verwirrt mich immer mehr.

Herrchen hat ja auch so ein etwas größeres digitales Ding. Er nennt das „Ei-Ped“, obwohl es eher eckig als rund oder Ei-förmig ist. Er behauptet immer, dass er damit arbeite, doch die Tatsache, dass ich darauf schreiben darf, zeigt ja, dass er scheinbar nicht viel arbeiten muss.
Er faselt da gerne was von „virtueller Arbeit“, aber das nimmt ihm hier keiner so richtig ab. Er verweist zwar auch gerne auf die Tatsache, dass das Futter für mich ja irgendwie verdient werden müsse, aber mit einem Ei-Ped?
Na ja, und die anderen Familienmitglieder haben ja scheinbar auch noch Wünsche, die Geld kosten. Geld ist ja auch so eine Sache, an die sich ein kleiner Hund erst gewöhnen muss.
„pecuniam non olet“ (Geld stinkt nicht), das haben die alten Römer schon gewusst, und, das kann ich bestätigen, es schmeckt auch nicht. Für so ein paar Papierstücke mit Zahlen bekommt man sogar einen jungen Hund oder ein Auto.

So gesehen finde ich solche Gegenstände deutlich besser als Geld und meine Familie scheinbar auch, denn sonst hätten sie mich nicht (und auch nicht so viele Autos).

Beim Geld scheint es ähnlich zu sein, wie bei den Freunden, denn auch da gibt es virtuelles Geld. Statt Scheinen gibt es auch noch „scheinbares Geld“, unter volkswirtschaftlicher Betrachtungsweise auch “Schulden” genannt.
Aber das scheinen einige Menschen nicht zu verstehen, so hat es zumindest für mich den „An-Schein“. Besonders Griechen und Neurömer können schein-bar nicht mit Geld umgehen, was wiederum anderen Nationen stinkt.
Aber was weiß schon ein kleiner Hund von der Welt… und wieder bin ich von Hölzchen auf Stöckchen gekommen, was man einem kleinen Hund nachsehen darf, der tagtäglich solchen Gegenständen hinterher rennen soll.

Eigentlich wollte ich doch von Pauline und Geburtstagen schreiben, obwohl das doch irgendwie auch mit Geldscheinen zusammen hängt.
Das findet zumindest Herrchen, nachdem er die Einkaufsliste für die Party gelesen hat.
7 Kisten Bier, 2 Kisten Biermischgetränke, 3 Kisten Cola, Fanta, Sprite, das sind die Dinge, die ich mir merken konnte. Wobei einem doch sofort auffällt, dass Wasser auf der Liste fehlt.
Herrchens Ohnmacht ist zum Glück schnell abgeklungen, denn er war ja vorgewarnt, als Pauline die erwartete Gästezahl nannte.
Wenn man überlegt, dass um Mitternacht schon jede Menge Leute in den Geburtstag hinein gefeiert und sich beim Frühstück ebenfalls circa 15 Personen um Pauline versammelt haben, muss man kein Prophet sein, um festzustellen, dass auch ihr Geburtstag hier in Goslar höchsten Stellenwert genießt.
Apropos Genuss, heute wurde beschlossen, im Beisein des Geburtstagskindes auf Fleischgenuss zu verzichten. Bei mir wurde da zum Glück eine Ausnahme gemacht.
So ist es doch erstmal verständlich, wenn Icaro den Geburtstag von Pauline zunächst eher „Käse“ findet.

Nun habe ich mal wieder das Thema verfehlt oder den Faden verloren, obwohl hier „Leinenpflicht“ herrscht, aber das ist hier ja Interpretationssache.

Wuff wuff

Euer Carl Otto

PS: Bei uns ist am 24. April „Familienfest“, wo ich mich mit meinen Geschwistern treffe (eine Art Konfirmation, wo wir uns gemeinsam zum Labrador-Tum bekennen).
Klar, dass ich dabei bin. Hey, wisst ihr eigentlich, was ein Zaunpfahl ist?
Wir Hunde pinkeln dran, aber Menschen winken „buchstäblich“ damit.

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