Dynamit

Pinkelprobleme und rassige Ansichten

22.April 2015

Wuff wuff,

seit ein paar Wochen vermisse ich meine Schwester Alma immer mehr. Gut, ich gebe ja zu, dass ich am Anfang etwas genervt war, wenn sie keine Ruhe geben wollte.
Aber ohne Alma ist es nun doch eindeutig zu ruhig.
Man erzählt sich hier, sie habe eine „OhPe“ gehabt, und auch das sonderbare Wort mit “K” ist wieder gefallen. Irgendwie verfolgt mich das Gefühl, dass nicht von einer “Konfirmation” die Rede war.
Letzte Woche kam Herrchen von einem schönen Spaziergang mit mir zurück und erzählte: „Stellt Euch vor, heute hat Otto sein Bein gehoben!“
Das war natürlich völlig unbeabsichtigt (von uns beiden!), denn plötzlich nahm Carlotta das garstige Wort „Kastration“ in den Mund und verlangte eine Auskunft nach einem „OP-Termin“.
Seit diesem Zeitpunkt habe ich meine „Pinkel-Technik“ wieder umgestellt und mache mir lieber auf die Hinterbeine, als dass dieses grausame Thema hier nochmal aktuell wird.
Wenn man drei Wochen nach einem OP-Termin immer noch nicht mit seinem Bruder spielen darf, dann ist das doch total blöd. Die Menschen geben dafür auch noch Geld aus.
Letzte Woche hatte Maxi plötzlich auch einen OP-Termin. Vermutlich hatte auch er beim Pinkeln einen Fehler gemacht. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie ruhig das in Goslar sein kann, wenn Maxi und Alma fehlen.
Um der Ruhe ein wenig entgegen zu wirken, habe ich nun angefangen, das Bellen zu üben. Es klappt eigentlich schon ganz gut, auch wenn ich eigentlich gar nicht so richtig weiß, wofür das gut ist. Andere Hunde machen das jedoch auch, also muss es ja irgendeinen Sinn haben.
Mal werde ich gelobt, wenn ich belle, mal getadelt, so dass ich momentan noch experimentiere, ob Bellen gut oder schlecht ist.
Wenn es klingelt und ich belle, sind die Menschen meist zufrieden mit mir, sofern ich beim Öffnen der Türe mit dem Bellen aufhöre.
Dann kommt aber der nächste Punkt, der mir das Leben als Hund nicht so einfach macht.
Wie begrüße ich Menschen?!
Wir Labradore haben da ein breites Spektrum, um unsere Zuneigung zu Menschen und unsere Begeisterung zum Ausdruck zu bringen. Das geht los beim „sprunghaften Küsschen“, auch „Luftikuss“ genannt, bei dem man den Menschen im Sprung mit einer feuchten Schnauze oder Zunge im Gesicht trifft. Ein Hundekuss ist deutlich schmerzfreier und liebevoller als ein Pferdekuss, wird aber trotzdem nur von wenigen Menschen geschätzt.
Das „Freuden-Tänzchen“, bei dem wir auf den Hinterbeinen tänzelnd stehen bleiben und mit unseren Vorderpfoten nach möglichst hellen Kleidungsstücken suchen, um dort einen bleibenden Eindruck (oder Ausdruck) zu hinterlassen, findet auch kaum Anklang. Aika würde „to make a print“ sagen.
Ginge es nach chemischen Reinigungen, so würde diese Begrüßungsform schon in der Welpen-Schule trainiert werden.
Schwanzwedeln und hektisches Hin- und Hergelaufe finden die meisten Menschen wohl am angemessensten, um unsere Wertschätzung gezeigt zu bekommen.
Was aber machen Menschen bei uns Hunden!?
Ständig glauben die Menschen, dass Hunde gestreichelt oder getätschelt werden möchten.
Wollen wir von Menschen geküsst werden?
Die einzigen Küsse, die wir mögen, sind Neger-Küsse, aber so darf man ja bei Euch Menschen nicht reden, weil das „rassistisch“ klingt. Im Grundgesetz der Menschen ist verankert, dass der Mensch nicht aufgrund von Äußerlichkeiten oder Religion diskriminiert werden soll. Das klappt, zumindest während meines kurzen Hundelebens, nur recht bedingt bei Euch Menschen, wenn ich mir im Fernsehen nach der Hundefutter-Werbung notgedrungen die Nachrichten ansehe.
Aber den Firlefanz mit Rassen macht Ihr Menschen ja mit uns Hunden auch.
Reicht es Euch denn nicht, dass es Hunde gibt, die mal größer oder kleiner, mal dicker oder dünner sind?! Nein, es müssen Rassen gebildet werden, wo man einer gewissen Norm entsprechen muss, um dazu gehören zu dürfen.
Aber wie entsteht denn so eine neue Rasse?
Musste sich doch meine Schwester Alma (vom rauchenden Peter in der Hundeschule) vor einiger Zeit anhören, sie sei nicht „reinrassig“. Ist das etwa der Grund für eine Kastration?

Wir haben doch erstklassige Papiere und tragen im Nachnamen ein „von“.
Herrchen hat einen „Ahnenpass” vorliegen, wo folgendes drinsteht: „Carl Otto von der Ulenburg“
Da ist sogar vermerkt, wie meine Ur-Ur-Großeltern alle hießen. Wer gut in Mathe aufgepasst hat, weiß, dass es 16 Namen sein müssen, 8 mütterlicherseits und 8 väterlicherseits.
Jetzt kommt’s, der Name meiner Mutter lautet „Dark Red Flame Made in Heaven“, ihre Ur-Ur-Großmutter war ein „Silver Moonlight’s Jolly Girl“.
Haben wir da nicht eine „himmlische Bestimmung“, diesen Stammbaum fortzusetzen?

Uns fragt ja keiner!
Alma hat es schon erwischt und ich bin gespannt, wer bei unserem Geschwistertreffen bereits die K-Frage gestellt bekommen hat.
Werden Rassehunde hier gar diskriminiert?!
Jeder Straßenköter in Ungarn oder Spanien darf sich hemmungslos vermehren und wird dann irgendwann nach Deutschland geholt, um dort von netten Hundehaltern verhätschelt und getätschelt zu werden. Die Kölner Ottos haben jetzt eine Luna aus der Pusta, die in Köln ständig einen vollen Fressnapf hat.
Davon kann ich nur träumen, denn meiner ist immer sekundenschnell wieder leer und benötigt Ewigkeiten, bis er wieder gefüllt ist.
Katzen und Mischlings-Hunde werden in Deutschland scheinbar hofiert.
Das Grundgesetz sollte auch bei Hunden Anwendung finden.
Fehlt eigentlich nur noch, dass Ihr aus uns Rassehunden Vegetarier macht, die nur noch Tofu essen dürfen.
Rassehunde aller Länder, vereinigt euch, bevor der OP-Termin das Ende bedeutet.

Halten wir doch noch mal fest, was ich kleiner Hunde-Philosoph nun zu Hunderassen und Rassehunden verstanden habe.
Wenn sich ein paar Hunde ähnlich sehen und verschiedene Eltern mit klangvollen Namen haben, dann kann man sie zu einer Rasse erklären.
Dann muss man nur noch einen Züchterverein gründen und Ahnenpässe ausstellen.
Ach übrigens: auf unserer Hundewiese ist es völlig gleichgültig, welche Rasse ein Hund hat, Hauptsache er ist nett zu mir und spielt mit mir.
Warum spielt ihr Menschen da nicht mit und macht das mit den Rassen so ernst?

Wuff wuff,
Euer nachdenklicher Carl Otto

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