Der 7. Sinn?

Haben Hunde übersinnliche Wahrnehmung?
5. Juni 2015
Wuff wuff,

wir Hunde haben es eigentlich recht gut, denn wir leben in den Tag hinein und im „Hier und Jetzt“.
Heute ist ein wundervoller, warmer Tag, die Vöglein zwitschern, es summt und brummt und Pflanzen und Blumen duften um die Wette.

Das alles nimmt ein Hund besonders intensiv wahr, und ich sitze auf der Gartenbank (Herrchen hat es erlaubt, sogar eher befohlen) und sinniere vor mich hin.

Banken-Fachmann
Dabei denke ich gerade darüber nach, worin sich Menschen und Hunde bei den Sinnen unterscheiden.
Eindeutig, wir hören deutlich besser als Ihr Menschen, unsere Nasen sind feiner und unsere Augen registrieren jede Veränderung im Sehfeld sensibler.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten oder auch nicht streiten, denn was Ihr uns vorsetzt, ist im wahrsten Sinne des Wortes „Hundefraß“, und meine bisherigen Ausflüge in die menschliche Koch-und Backkunst hatten bei meinen Geschmacksnerven durchaus großes Wohlwollen hervorgerufen.
Aber wir Hunde begehren keine Sachen, die uns nicht zustehen. (Es sei denn, es ergibt sich eine zwingende Situation, wo Lust und Neugier überwiegen und wir quasi vom angeborenen Jagd- und Beutetrieb überwältigt werden. Das mal nur am Rande als Entschuldigung für vergangene und zukünftige kulinarische Missetaten.)
Beim Geschmack könnten wir uns somit ganz diplomatisch auf ein Unentschieden einigen, denn ich kann durchaus nachvollziehen, dass Ihr Skrupel habt, bestimmte Dinge zu probieren, die wir mit Hingabe ins Maul nehmen und ohne zu zögern unseren Geschmackrezeptoren und Magensäften zuführen. Aber auch hier geht es um Betrachtungswinkel, denn auch bei den Menschen gibt es kulturelle und regionale Aspekte, die den Genuss von Nahrung recht unterschiedlich prägen und beeinflussen. Zwischen Genuss und Ekel entscheidet nicht zuletzt das Umfeld und die Herkunft der Menschen.

Wenn wir also über Sinne nachdenken, bleibt noch das Fühlen. Da haben wir Hunde im doppelten Sinne meist ein dickes Fell!
Wir können was ab, sind nicht so dünnhäutig wie Ihr Menschen und schon gar nicht nachtragend. Nachtragend sind wir eigentlich nur, wenn wir Euch blöde Stöckchen hinterher tragen, von denen wir annehmen, dass Ihr dafür noch Verwendung habt.
Wir sind aber durchaus sensibler und feinfühliger für die Gefühle anderer Lebewesen, und das ist sicherlich ein wichtiger Punkt, den Ihr Menschen an uns schätzt. Allerdings nehmen wir das nicht über die Haut, sondern mit allen Sinnen wahr.

Eigentlich gibt es ja nur fünf Sinne, weshalb die Frage, ob Haustiere wie Hunde oder Katzen einen siebten Sinn haben, eigentlich recht doof ist.
(Es sei denn, man sieht „menschlichen Unsinn“ als sechsten Sinn an.)
Bleibt aber trotzdem die interessante Frage, ob Hunde Vorahnungen oder übersinnliche Kräfte haben?
Da kann man ja die tollsten Sachen lesen oder hören.
Ich habe das mal mit meinen Kumpels am Blauen Haufen besprochen, und wir kommen alle zu dem gleichen Ergebnis. Wir nutzen unsere anderen Sinne einfach effektiver, so dass Ihr glaubt, wir hätten übersinnliche Kräfte.
Wenn Ihr traurig oder wütend seid, Angst oder Stress habt, dann nehmen wir das über unsere feinen Nasen und Ohren war. Ihr atmet und riecht anders und Eure Stimme bekommt einen besonderen Klang. Worte sind für uns ja sowieso eher „Schall und Rauch“.
Wir verfügen allerdings auch über eine gute innere Uhr, so dass wir meist schon aus Erfahrung und genauer Beobachtung heraus ahnen, was Ihr gleich als Nächstes vorhabt.
Also nichts Übersinnliches, sondern ein über Sinne registriertes Verhalten mit der Spekulation, für das Erwartete bereit zu sein.
Konnte man verstehen, was ich darunter verstehe?
Etwas einfacher ausgedrückt: wenn ihr noch darüber nachdenkt, gleich mit uns Gassi zu gehen, stehen wir schon mit der Leine im Maul an der Haustür!
Verzeiht einem kleinen Hund und selbst ernannten Hunde-Philosophen den kleinen Ausflug in das Land der Sinne und gönnt Euch selbst mal eine Pause der Sinnlichkeit und Besinnung.

Ein blinder Mensch hört nicht besser und kann mit seinen Händen nicht besser fühlen als ein Mensch mit guten Augen. Er lernt jedoch, die ihm verfügbaren Sinne besser zu nutzen.
Darauf kommt es wohl an, und man muss wohl nicht extra erblinden, um das zu lernen. Besinnlichkeit wäre doch ein schönes Wort dafür, aber Ihr nennt es wohl lieber Achtsamkeit.
Das gilt wohl auch für Beziehungen zwischen Menschen.
Wir Hunde können so manch einen ‚Beziehungssturm‘ schon da nahen sehen, wo die direkt Beteiligten noch Sonnenschein und leichte Wettertrübungen vermuten.
Da könntet Ihr Menschen von uns vielleicht doch noch das eine oder andere lernen.
Aber dann müsste es, statt Hundeschulen, Menschenschulen geben, wo in der Spielgruppe Menschen verschiedener „Rassen“ gemeinsame Sozialisation und Zivilisation lernen müssen.
Gibt es denn eigentlich etwas, was wir Hunde von Euch lernen können oder sollten?
Klar, „Gehorsam“ werdet Ihr jetzt sagen, und dafür gibt es die Hundeschulen. Aber eigentlich ist das keine echte Partnerschaft zwischen gleichberechtigten Partnern, oder?
Bei den Sinnen zumindest, ist es wohl eher sinnlos, das Wort Gleichberechtigung zu verwenden.
Aber wir helfen Euch gerne mit unseren Fähigkeiten.
Nun genieße ich den Tag mit all meinen Sinnen und wünsche Euch das Gleiche.

Eine sinnvolle Zeit wünscht mit einem

Wuff wuff

Euer Carl Otto

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