Spargel und die Hundezeitung

Spargel-Freuden28. Mai 2015

Wuff wuff,

dass wir Hunde Euch Menschen auf dem Gebiet der geruchlichen Wahrnehmung einige Nasen voraus sind, ist mir eigentlich schon als kleiner Hund an Ostern aufgefallen.
Meine Nahrungsergänzungssuche von gestern war auch eher ein Klacks.
Wir Hunde sind einfach mit deutlich mehr Riechrezeptoren in der Nase gesegnet als Ihr Menschen. Das kann Fluch oder Segen sein, denn Ihr kennt ja auch einige Gerüche, die Ihr mit Euren „stumpfen Nasen“ als Gestank bezeichnet.
Was sollen wir Hunde da sagen?!
Spargel-Freuden
Geruch ist somit wohl nicht nur eine Frage der Wahrnehmung, sondern auch der Deutung, frei nach dem Motto: „Man muss es nur schön finden!“
Momentan gibt es ja praktisch in jedem Haushalt einen nahezu identischen Geruch. Speziell in dem Raum, wo Ihr Menschen am liebsten allein hin geht. Während das Zeug, welches Ihr verzückt ‚Spargel‘ nennt, auf den Tellern noch eher unauffällig duftet, verändert sich diese Empfindung später in „äußerst auffallend intensiv.“
Aber wir Hunde staunen auch darüber, mit was für Düften sich speziell die weiblichen Menschen verändern. Das ist unglaublich und kann von jedem Hund sogar gegen den Wind gerochen werden.
Beim letzten Ostereiersuchen habe ich mich wirklich gewundert, wie ungeschickt sich Menschen beim Suchen anstellen, denn meine Nase ’sah‘ sofort jedes Schoko-Ei. Das wurde ja auch prompt mit „Leinenpflicht für den kleinen Carl Otto“ honoriert.
Beim Sehen genießt Ihr Menschen Vorteile, sofern sich nichts verändert. Sobald sich aber eine winzige Kleinigkeit im Sehfeld verändert, sind wir Hunde wieder die Sieger, weil wir auf Beute geeicht sind.
Beute hat nun mal die Tendenz zur Bewegung, und Ostereier nicht. Wenn die aber duften, sind wir wieder besser als Ihr.

Gestern Abend allerdings kam eine Aufgabe, die meine Fähigkeiten an eine Grenze führte. Carlotta hatte auf einem Spaziergang mit mir ihr Handy verloren. Das sind so kleine Dinger, die viele Menschen in der Hand, vor den Augen oder am Ohr haben.
Das muss wohl echt spannend sein, denn Carlotta war recht aufgeregt, als sie es vermisste. Ich Trottel hatte überhaupt nicht aufgepasst, weil mir die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit eines Handys bisher nie bewusst geworden ist.
Nun war aber leichte Panik bei Carlotta angesagt und Herrchen wurde als erfahrener Handy-Scout dazu gerufen. Herrchen hat allerdings sein letztes Handy im Jahr 2007 verloren, als es vom Dach seines Autos in Hannover fiel.
Damit war ihm zumindest klar, wo und wie er es verloren hatte. Diesen Erfahrungsschatz versuchte er in die gestrige Suchaktion mit einzubringen.
Ich kam mir recht hilflos vor, da ich den Geruch von einem Handy noch nie wahr genommen habe und diese Geräte zudem als tendenziell eher unbeweglich einstufe.
Während Herrchen & Co auf der Hundewiese nach einem Handy suchten, konnte ich mich mal intensiver nach Tieren orientieren, die unter der Erde leben.
Das finde ich extrem spannend, und Herrchen hatte schon fast den Eindruck, dass ich mich für Bergbau am Rammelsberg interessiere, aber es ist wohl eher der Höhlenbau von Rammlern.
Herrchen hatte letztendlich Erfolg mit seiner Methode, bei der er durch geschicktes Nachfragen herausfinden konnte, welche Wege wir gegangen waren und was wir wann und wo gemacht haben.
In diesem Sektor ist er dann in Zickzack-Linien gegangen, bis ein triumphierendes „Ich hab es!“ zu vernehmen war.
Da muss ich neidlos anerkennen, dass selbst ich als angehender und von Natur aus talentierter Spürhund noch nicht soweit bin.
Aber ich mache Fortschritte.
Meinen Stoffhund kann jeder im Haus oder Garten verstecken und ich finde ihn!
mein Freund aus Stoff

Das ist ganz einfach, denn den finde ich praktisch im Schlaf und ich weiß sofort, was von mir erwartet wird.
Schwieriger wird die Sache und Suche, wenn Herrchen in irgendeinen Schuh spuckt, den ich im Schuh-Berg suchen soll. So eine 6-köpfige Familie hat wirklich viele Schuhe, die recht unterschiedlich intensiv duften (der Begriff „riechen“ wäre vermutlich angebrachter).
Trotzdem kann ich damit auch noch imponieren. Blöd wird es nur dann, wenn Herrchen noch einen zweiten Schuh gefunden haben möchte. Das ist doch extrem langweilig und erinnert mich an ähnlich blöde Folgen von Kommandos wie „Sitz!“ und „Platz!“ unmittelbar nacheinander.
Wenn ich Herrchens linken Schuh verstecke, findet er das beim ersten Mal vielleicht noch lustig und freut sich, wenn er ihn wiedergefunden hat. Aber möchte er das Spiel mit einem zweiten Schuh wiederholen?
Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel mit Sehen und Schnüffeln, was ich als Thema ja fast wieder aus den Augen beziehungsweise der Nase verloren habe.
Herrchen liest gerade eine Zeitung, und ich finde, die stinkt (haltet eure unfähigen Nasen mal dicht an eine Zeitung).
Herrchen stinken aber mehr einige Inhalte der Zeitung.
Ich bevorzuge morgens die Hundezeitung vorm Haus, wobei man das in der modernen menschliche Ausdrucksform auch Chatroom nennen kann, weil wir Hunde dort lesen und schreiben können. Wenn Herrchen mit seiner stumpfen Nase dichter an eine Hundezeitung gehen würde, würde er wahrscheinlich behaupten, dass sie stinke, aber nur, weil er weiß, welche Tinte Hunde benutzen.
Immerhin essen wir Hunde keinen Spargel.

So, nun ruft die große Runde, und ich werde dabei mal überlegen, wie viele Kilometer ein Hund in seinem Leben zurücklegt.

Es grüßt Euch mit einem schnellen

Wuff wuff

Euer Carl Otto

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