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Klack klack bei Hundeerziehung

8. Juni 2015

Wuff wuff,
klack klack,

was soll denn das?
Ist Carl Otto denn heute völlig beklackert?
Nein, oder vielleicht doch; denn ich finde es schon recht eigenartig, welche Methoden Menschen anwenden, um Hunde zu erziehen. Clickern zähle ich dazu.
Erziehung kann ja im Grunde auf zwei Wegen zum Erfolg führen: Belohnung oder Strafe, um das gewünschte Verhalten zu erzielen.
Dazwischen gibt es noch zahlreiche Kombinationen, und allen Erziehungsmethoden liegt scheinbar zugrunde, dass jeder Anwender darauf schwört, die beste Methode zu haben, und bei mangelndem Erfolg irgendetwas nicht mit dem Hund stimmen muss.
Herrchen hat inzwischen erkannt, dass die jeweilige Situation einen großen Erfolgs-Einfluss hat. Sein Wollen und mein Wollen müssen einigermaßen im Gleichklang sein, um gemeinsame „Erziehungserfolge“ feiern zu können.
Manchmal kommt es dann zum Showdown, wenn ich ihm zu Verstehen geben möchte, dass sein Kommando sich nicht mit meinen Wunschvorstellungen deckt, sondern nur eine ’sinnlose Machtdemonstration‘ ist.
Ich nenne das „Hundepoker“.
Das geht so!
Man muss als Hund so tun, als ob man gar nichts mit der Sache zu tun hätte. Ja, dass man überhaupt nicht versteht, worum es geht, weil man viel wichtigere Dinge im Kopf hat. Die Entleerung von Darm und Blase sind solche Vorgänge, wo sich Mensch und Tier einem gemeinsamen Ziel verbunden fühlen. Das ist vielleicht etwas zu doppeldeutig ausgedrückt. Wenn also der Hund draußen sein Tagesgeschäft erledigt hat, kann sich der Mensch im Anschluss wieder seinen Tagesgeschäften zuwenden und beide haben ihr Ziel erreicht. Trotzdem sollte es aber auch Spaß machen, gemeinsam draußen zu sein.
Beim Hundepoker lässt man sich als Hund vom Menschen nicht einfach in die Karten schauen, sondern versucht ihn mit seinem „sinnlosen Kommando“ erst mal hilflos stehen zu lassen und setzt dabei sein Pokerface auf.
Ob er wohl gleich den Papagei macht und sein Kommando wiederholt?
Doch Herrchen ist ein ziemlich ‚ausgebuffter Hund‘ und guckt nur recht ernst.
Der wird doch nicht unsere große Runde direkt am Anfang abbrechen?
Leckerlies hat er keine dabei, das checke ich direkt am Anfang unserer Tour.
Da ist auch die Leine in seiner Hand.
Will er mich gleich anleinen und nach Hause zerren?
Was mach ich nur?
Calming Signals!
Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und eine gewisse Geschäftigkeit an den Tag legen. Intensives Schnüffeln, aufmerksame Blicke in die Gegend (aber bloß nicht zu Herrchen), schnell mal symbolisch das Bein heben, um eine Blasenentleerung vorzutäuschen.
Nun sind schon über zwei Minuten nach dem Kommando „Hier“ verstrichen und Herrchen verharrt immer noch vorbildlich in der Pose, die man laut Lehrbuch bei dem Kommando einnehmen sollte. Solche Zweikämpfe bedrücken mich irgendwie, denn jeder von uns beiden läuft Gefahr, sein Gesicht zu verlieren, und dieser Druck geht irgendwie auf den Darm. Eine tiefe Hocke mit krummen Rücken lässt Herrchens harte Gesichtszüge etwas erweichen, und nachdem ich noch einige kunstvolle Schlenker in alle Himmelsrichtungen gemacht habe, nehme ich die gewünschte „Hier-Position“ vor Herrchen ein.
4 Minuten und 37 Sekunden. Ich werte das als einen Erfolg meiner Renitenz.
Herrchen lobt mich überschwänglich und fühlt sich als Sieger beim Hundepoker, dabei war es höchstens ein Unentschieden!
Quietsche-Spielzeug

Herrchen ist eigentlich ein Hunde-Erzieher, der gerne mit Lob arbeitet, aber gestern, als ich bei der Suche nach dem Gleitschirmflieger immer fester an der Leine zog, zog es plötzlich recht schmerzhaft an meinem Hinterteil, zusammen mit dem Kommando „Zieh nicht!“.
Das saß irgendwie, und ich konnte mir plötzlich recht gut merken, dass es nicht gut ist, an der Leine zu ziehen. Danach hat mich Herrchen die ganze Zeit in höchsten Tönen gelobt, wie toll ich das könne. So viel Lob hat mich auch recht stolz gemacht.
Herrn Pawlow und das „Sabber-Glöckchen“ kennt Ihr ja bestimmt schon, wo den armen Hunden mit einem Glöckchen das Fressen vorgegaukelt wurde.
Die modernen Hundeerzieher haben nun den „Klacker“ erfunden, quasi als „Pawlowschen Blitz-Lober“ oder Loberersatz.
Benny hat so ein Teil schon direkt nach meiner Ankunft in der Familie gekauft, aber zum Glück schläft der bekanntlich recht lange und ist zudem recht unordentlich, so dass sein Klacker hier eher unbemerkt und wenig genutzt herum liegt.

Anders sind die „Klacker-Menschen“ am Blauen Haufen, die alles geordnet „am Mann beziehungsweise an der Frau“ haben, was die moderne Hundeerziehung auf den Markt bringt. Dabei handelt es sich nicht selten auch um „Helikopter-Frauchen“, die ihre Hunde ständig umkreisen und alles für ihren Liebling tun. Die erkennt man meist an besonderen Leinen und einer großen Gürteltasche, in der alle Utensilien der modernen Hundeerziehung untergebracht sind.
Ich kann gar nicht genau sagen, was da alles drin ist, und Herrchen hat sich auch abgewöhnt, neugierig zu fragen, weil er dann zugetextet wird, über die neuesten Hundefortbildungs-Seminare im Allgemeinen und Hundeerziehung im Speziellen. Natürlich wird dann davon geschwärmt, wie sinnvoll doch so ein Klacker für die Hundeerziehung sei. Herrchens Einwand, dass, wenn alle klackern, die Hunde doch gar nicht mehr wüssten, wer gemeint sei, wollte sie in ihre pädagogischen Überlegungen jedoch nicht mit einfließen lassen, und das nächste Seminar sei ja auch schon gebucht.
Fairerweise muss ich zugeben, dass diese Frauchen auch Leckerlies dabei hatten, so dass ich das Geklackere gnädig überhören konnte.
Stellt Euch bitte mal vor, Herrchen hätte gestern beim Rückweg die ganze Zeit geklackert.
Da hätte ich wohl freiwillig wieder an der Leine gezogen.
Aber ich bin vielleicht zu kritisch, oder mit neun Monaten schon zu alt und unflexibel, mich auf neue Erkenntnisse der Hundeerziehung einzulassen.
Blauer Haufen
Auf jeden Fall sind viele Menschen wohl bereit, für den vierbeinigen Liebling viel Geld auszugeben. Herrchen investiert in mich lieber Zeit und Geduld. Heute hat er mich am Blauen Haufen mit einer Kindergartengruppe zusammen gebracht. Das fand ich recht spannend. Wer wollte, durfte mich streicheln, und mein Name war schnell in aller (Kinder-)Munde. Bei den Erzieherinnen habe ich auch kein Klackern gehört. Das sind ja wohl noch „Old School-Erzieherinnen“, die den Lernerfolg ihrer Schützlinge absichtlich behindern und das Erziehungsfenster durch sinnlose Aufenthalte im Freien ungenutzt im pädagogischen Durchzug hin und her klappern (nicht klackern) lassen. Immerhin wusste ein kleiner Junge, dass man sich nach dem Hundestreicheln immer die Hände waschen sollte und ließ die gesamte Lerngruppe an diesem Basiswissen teilhaben. Wenn ich jetzt einen Klacker gehabt hätte… so bekam er nur einen liebevollen Schlecker, damit er auch sein Gesicht in die allgemeine Körperhygiene nach Hundekontakt miteinbeziehen konnte.
Herrchen war bis auf den Hundekuss auch recht zufrieden mit mir und hätte nach neuesten hunde-pädagogischen Erkenntnissen rumklackern müssen. So blieb es beim Lob, denn Leckerlies hatte er ja nicht dabei.
Die Mutproben auf den Holzstößen haben mir aber auch ohne Geklackere Spaß gemacht.

Wenn sich Menschen so eine „Geräuschkonditionierung“ (so nenne ich das Geklackere) für uns Hunde ausdenken, dann könnt Ihr gewiss sein, dass man das bei Euch auch macht. Schließt mal bei der Fernsehwerbung die Augen, dann gehen Euch selbige wohl auf, zumindest, wenn Ihr die Ohren spitzt.
Vielleicht macht es jetzt in Eurem Kopf „Klicke-di-Klack“, oder wie klackert es in Eurem Kopf, wenn Ihr nachdenkt!?

Wuff wuff

Euer Carl Otto

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