Carl Otto sitzt zuversichtlich

Dr. Ahoi und die richtigen Entscheidungen

Wuff wuff,

seit Hundegedenken geht Herrchen eigentlich jeden Donnerstag zum Tennis mit „Dr. Ahoi“.
Den nenne ich so, weil er über ein ähnlich leistungsfähiges Organ zur verbalen Kommunikation wie Maxi verfügt und alle Menschen lautstark mit ‚Ahoi‘ begrüßt oder verabschiedet. Diesen Gruß gibt es sowohl in der Seefahrt, als auch in Tschechien.
Dr. Ahoi mag mich gerne, und er ist übrigens auch ein Mitglied der „Nele-Hundehalter-Gesellschaft“.

Nele scheint ja leider immer noch Probleme mit anderen Hunden zu haben.
Das kann man übrigens von mir nun wirklich nicht behaupten, denn erst heute hat mich das Frauchen von einem Schäferhund lautstark gelobt: „Als ich gesehen habe, dass es Otto ist, habe ich meinen Hund sofort los gemacht“.
Als eine andere Dame zu Herrchen sagte, dass Otto so gut erzogen sei, wollte er gleich mit ihr in dieselbe Richtung gehen.
Beide Damen haben obendrein auch noch lobend erwähnt, wie schnell ich doch sei!
Was für ein schöner Tag!
Ich bin also wirklich auf einem guten Weg, ein beliebter Hund zu werden.

Dr. Ahoi ist in Goslar recht beliebt und als bunter Hund bekannt. Das liegt vielleicht an seinem Beruf als Arzt, der den Herzen der Menschen hilft. Dr. Ahoi ist aber auch im doppelten sinne ein ‚herzensguter Mensch.‘ Die Bezeichnung „bunter Hund“ mag aber auch von seiner Optik herrühren, da er eher weniger Sorgfalt für Kleidung aufwendet und uns Hunden da recht ähnlich ist. Deshalb mag ich ihn wohl auch so!
Da wären wir schon bei einem Thema, dem ich später gerne noch mal besondere Aufmerksamkeit schenken würde. „Mode“.

Heute geht es mir aber um „To do or not to do“, so hat mir das Aika zumindest auf Englisch beigebracht.
Herrchen sagt da immer: „Machen ist besser als Nichtmachen!“, aber zwischen Sagen und Tun oder Theorie und Praxis erkenne ich bei ihm doch eine gewisse Diskrepanz, so dass man die Absichtserklärung auch als „frommen Wunsch“ bezeichnen könnte.
Nun gibt es ja auch noch Unterschiede zwischen Dingen, die man machen muss, die man machen könnte und die man machen möchte. Da liegt das Problem bei Herrchen, dass er seinen Spruch immer nur auf die letzte Kategorie anwendet, die Pflichtübungen sträflich vernachlässigt und das Ganze mit einem Optimismus überlagert, dass es schon alles irgendwie klappen wird. Hier findet scheinbar einer der bedeutsamsten Stützpfeiler des ‚Kölschen Grundgesetzes‘ Anwendung: „Et hät noch emma jot gejange!“

Dr. Ahoi ist da umgekehrt. Der erfüllt sämtliche Pflichtaufgaben mit Hingabe und hält große Stücke auf menschliche Werte wie Zuverlässigkeit, Ehre und Ehrlichkeit.
Er ist aber manchmal auch ein komischer Kauz, der sich nicht so schrecklich viele Gedanken darüber macht, wie sein Verhalten auf andere Menschen wirkt. Wenn er es wüsste, würde er sich bestimmt anders verhalten.

Mein Herrchen kann in seinem Auto gratis telefonieren, und da bekommen meine feinen Hundeohren so einiges zu hören, wenn er mit der Freundin von Dr. Ahoi spricht.

Eigentlich möchte Dr. Ahoi mit ihr zu einen schönen Urlaub in die Mongolei fliegen. Sie möchte das auch. Als Außenstehender könnte man nun von einer klassischen ‚Win-Win-Situation‘ ausgehen, die der Schönheit und dem Reichtum des Lebens einen neuen Mosaikstein mit verbindenden Erinnerungen schenken könnte. Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid.
Aber er zögert plötzlich!

Was spricht also für „not to do“?
Oh, jetzt komm ich wohl wieder von Hölzchen auf Stöckchen und habe mir doch eigentlich vorgenommen, nicht mehr jedem Stöckchen mit meinen Gedanken hinterherzulaufen, sondern mich auf die Äste, den Stamm und die Wurzeln eines Themas zu konzentrieren.
Was ist also die eigentliche Wurzel, ob wir etwas tun oder nicht tun?
Da wäre also zum einen der Grad der Notwendigkeit (welcher allerdings von Herrchen und Dr. Ahoi eher unterschiedlich interpretiert wird).
Dann wäre der nächste Punkt der Grad des Wollens.
Wenn man etwas wirklich will, warum macht man es nicht einfach?
Da kommt bei Euch Menschen die ‚Fraktion der Bedenkenträger‘, die ihren Erfolg meist darin sehen, den eigentlich Wollenden träger zu machen.
Natürlich sollte man sich fragen, wem man mit seinem Handeln schaden kann.
Aber was hat man selbst zu verlieren?
Stolz, Ehre, Ansehen oder Geld sind meist die Argumente der ‚gut-meinenden Ratgeber‘, die um Nachsicht bitten, wenn sie zur Vorsicht raten.
Gegenargument:
Wenn man etwas macht, hat man auf jeden Fall an Erfahrung gewonnen, und je unterschiedlicher der Erfahrungsschatz ist, desto reicher ist ein Leben.
So werte ich das als kleiner Hund zumindest, der noch arm an Erfahrung ist.

Was ist eigentlich Reichtum?

Wir Hunde habe ja kein Vermögen und leben buchstäblich von der Hand in den Mund oder der Pfote ins Maul.
Mein Futter kommt beispielsweise immer aus einer Blechdose. Von dort wird es in einen Plastikmessbecher abgefüllt, bevor es in meinem Fressnapf landet. Morgens wird auch mein Abendessen in den Messbecher gepackt, damit alle wissen, dass Carl Otto schon gefrühstückt hat. Wenn der Becher leer ist, bedeutet das für alle, dass ich mein Abendessen schon hatte. Das funktioniert aber nur, wenn sich Herrchen & Co an diese Regel halten. Das klappt natürlich nicht immer.
Ich könnte mir ja nun den ganzen Tag Sorgen machen, wenn nach dem Frühstück mein Messbecher leer wär. Bedeutet das womöglich eine nahende Hungersnot?
Werde ich jemals wieder etwas zu Fressen bekommen?
Ihr werdet sagen: so ein Quatsch, es ist genug da, und im Keller stehen vermutlich auch noch zwei Sack Hundefutter und vielleicht sogar eine Erdbeertorte. Das würde ich eine „optimistische Grundstimmung“ nennen, die auch ich bevorzuge.
Ein Pessimist würde sich vermutlich schon vor dem Frühstück Sorgen machen, ob Herrchen & Co das Abfüllen des Abendessens vergessen könnten.
Schwupps sind wir in der Situation, wo wir uns den ganzen Tag Kummer und Sorgen bereiten können.
Ich sage deshalb lieber: „Let’s do it, let’s have fun.“
Mit ganz viel Glück bekomme ich sogar zwei Mal Frühstück, weil ein leerer Becher dem Betrachter vermittelt: „Carl Otto hatte als letzte Mahlzeit ein Abendessen!“
Ihr seht, es ist eine Frage des Blickwinkels und der Beurteilung von Wahrscheinlichkeiten.

Wie aber ist das bei Dr. Ahoi?
Wenn sein Messbecher mal leer ist, dann gerät er sofort ins Grübeln, ob er seinen Lebensstil verändern müsse.
Ich kenne aber kaum einen Menschen, der so viele Futtersäcke sein Eigentum nennen kann. Natürlich sind das keine Futtersäcke, aber Eigentum, und den Messbecher könnte man durch Bargeld ersetzen. Ihr Menschen sprecht ja auch von Liquidität oder „flüssig sein“, wenn es darum geht, etwas mit Geld zu kaufen.
Dr. Ahoi hat so viele Futtersäcke, dass er selbst im Alter von 100 Jahren noch immer mehr als satt werden würde. (Ihr wisst schon, wie ich das meine.)
Aber im „Hier und Jetzt“ findet das Leben statt, und wenn man keine 100 Jahre alt wird, benötigt man die Futtersäcke erst recht nicht.
Das kann man natürlich auch ganz anders sehen. Fragt nur mal einen Bedenkenträger und keinen selbst ernannten Hunde-Philosophen.

Dr. Ahoi ist vermutlich selbst sein bester Bedenkenträger, aber vielleicht sollte ich es mal mit einem „Ahoi!“ statt einem „Wuff wuff“ versuchen, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erlangen.

Ahoi

Euer Carl Otto

PS: Herrchen hat es ihm vorgelesen und mein Plan hat funktioniert, die Beiden fliegen!

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