Archiv für den Monat: November 2015

trübe Novembergedanken eines Hunde-Philosophen

Geld und Glück, Rasse und Klasse

Wuff wuff,

das Foto aus der letzten Episode hat bei vielen Menschen unterschiedliche Emotionen aus gelöst.
Ist das echtes Geld?
Habt Ihr keine Angst, dass eingebrochen wird?
Oh, so viel Geld möchte ich auch haben…

Als Hund gehe ich mit diesen bedrucken Papierstückchen etwas distanzierter um und eher unemotional. Gestern hat mir Herrchen ein solches Stück Papier aus dem Maul gezogen. mit den Worten: „Oh guck mal, Carl Otto hat einen Geldschein im Maul!“ Dass darauf ein schneidiges “ AUS “ folgte, könnt Ihr Euch ja denken. Dieser Geldschein duftete aber auch verführerisch nach Schokolade, war er doch an einer Tafel Schokolade zu Carlottas Geburtstag befestigt.
Komischerweise hat niemand die Schokolade vermisst ( das habe ich vor einem Jahr ganz anders erleben müssen), sondern man interessierte sich scheinbar mehr für meine selbst gewählte Papier-Serviette.

An trüben Novembertagen kommt auch ein Hund mal auf trübe Gedanken, über Freud und Leid zu sinnieren. „Des Einen Freud, des anderen Leid“, sagt Ihr Menschen ja auch gerne, aber hat jemand Freude, wenn ich leide? (dazu später)

Macht Geld eigentlich glücklich?
Ja, sagen die, die es nicht haben und nein, die, die es haben.
Geteiltes Glück ist doppeltes Glück, geteiltes Geld ist aber eher die Hälfte und somit deutlich weniger als beim Glück.
Aus meiner Hundesicht gibt es somit zwischen Glück und Geld keine offensichtlichen Zusammenhänge.
Für mich ist es ein großes Glück, wenn etwas Leckeres vom Esstisch fällt, sollte ich es mit Alma teilen müssen, wäre es für mich eher Leid als doppelte Freude. Aber das wäre für mich kein Anlass, mit einem Bus oder Taxi zu fahren oder zu einem Weinbusch zu laufen.
Wie kommt denn Carl Otto auf so komische Gedanken?
Ein bekannter Mensch mit dem Namen Günther hat auf die Frage, ob Geld glücklich macht, ironisch gesagt, er weine lieber im Taxi als im Bus. Vielleicht hat er sich deswegen auch noch ein Weingut gekauft. Aber bevor ich über sein Weingut sinniere, und mir die Frage stelle, warum Herrchen bei uns vor und hinter dem Haus einen Weinbusch gepflanzt hat, komme ich gedanklich lieber Bus und Taxi näher.
Wenn ein Mensch im Taxi leider weinen muss, dann hat er doch ein Leid. Das lässt sich im Bus viel besser und leichter teilen als im Taxi. Danach ist der weinende Mensch im doppelten Sinne erleichtert, aber Im Taxi hat man am Ende der Fahrt auch deutlich weniger Geld als im Bus. Der Taxifahre hat nach der Fahrt mehr Geld als der Busfahrer. Wer von den beiden ist denn jetzt glücklicher?
Ihr merkt, dass ich als junger Hund doch noch etwas überfordert bin, Glück, Geld und Leid in den richtigen Konsenz zu bringen.
Aber beim Leid verhält es sich wohl eher wie beim Geld, weil man auch nur noch die Hälfte hat. Das ist dann wohl eher positiv, weil man beim geteilten Leid scheinbar etwas gewonnen hat, weil man nur noch die Hälfte hat.
Für einen jungen Hund sind solche mathematisch-philosophischen Überlegungen nicht immer plausibel, aber ich werde weiter aufpassen.

Habt Ihr mal versucht, mit einem 500-Euroschein etwas zu kaufen?
Jeder freut sich über 500 Euro als Betrag, aber niemand möchte einen solchen Schein haben.
Tankstelle? Fehlanzeige!
Supermarkt? Nein Danke!
Als ob ein solcher Schein Unglück über seinen Besitzer bringt.
Autokauf? Kein Problem!
Bank? Bitte zahlen Sie ein! (da ist es nun)
(Ob diese Annahmestellen dann letztendlich glücklich sind?)/
Aber ein junger Hund muss ja noch nicht alles verstehen.
So konnte ich aber mal miterleben, wie aus unserem grünen Bus Geld wurde. Der Bus war mir aber lieber als diese geruchlosen bedruckten Papiere, da ich mit dem Bus den Geruch meiner neuen Heimat verbinde, der mich zusammen mit Alma bei Holger abgeholt hat. Ein Jahr ist es ziemlich genau her, und ich werde doch etwas sentimental, wenn ich hier lese, was ich schon alles erlebt habe.
Sentimental und schwermütig werde ich allerdings, wenn ich überlege, was mir nun bevorsteht.

Als junger Hund bin ich ja noch auf der Suche nach Sinn und Besinnung und versuche die Welt der Menschen mit meinem Hundeverstand zu verstehen.

Sprach ich vorhin von Leid?
Meine K-Frage scheint nun endgültig besiegelt zu sein, denn mein Schein-Herrchen Benni hat gestern einen telefonischen Termin gemacht.
Am 8. Dezember um 10 Uhr ist die Hinrichtung meiner Männlichkeit terminiert. „Da werden bei Otto die Os entfernt“, solche schmachvollen Witze muss ich mir hier anhören.
Ist es nicht die eigentliche Wesensbestimmung eines jeden Lebewesens, seine Gene neu zu vermischen und an die nächste Generation weiter zu geben?

Ihr Menschen legt ja scheinbar mehr Wert auf Funktion und Design, wenn man Euch beobachtet, wie Ihr Autos, Kleidung oder technische Geräte auswählt.
Bei der Hundewahl ist das scheinbar nicht anders. Hatte ich nicht mal Automarken und Hunderassen miteinander verglichen? Menschen möchten scheinbar repräsentieren und präsentieren. Wählt der Mensch den Hund nach einem Status aus? Ich fürchte ja.
Manche möchten aber auch nur einen Hund mit einer tragischen Vergangenheit und Geschichte. (Das habe ich ja auch schon mal erzählt)
Eigentlich ist das doch Unfug, denn was zählt, ist doch der individuelle Charakter. Wenn ich mal alle Labradore rund um den blauen Haufen mit mir vergleiche, sehe ich recht klar, dass Ihr da extrem oberflächlich denkt und handelt. Aber da seid Ihr Menschen ja in guter Gesellschaft und könnt Euch gegenseitig bestärken.
„Ah, ein Labrador. Labradore sind ja …“
Bei Autos und Gegenständen mag eine Klassifizierung ja sinnvoll sein, aber bei Lebewesen?
Ist es nicht schon gefährlich, wenn Ihr Menschen im Hinblick auf Lebewesen einen Satz mit ALLE beginnt. Alle Deutschen, alle Araber, alle Juden …, da kann doch am Ende eigentlich nichts folgen, was einer kritischen Betrachtungsweise Stand hält?
Trotzdem strebt das menschliche Hirn zur Vereinfachung und zur Klassifizierung.
Alle kastrierten Hunde sind friedlicher und gehorchen besser.
Meine Freundin Aika hat in meinem Beisein schon eine Arztrechnung erzeugt, obwohl sie kastriert wurde und dass meine Schwester Alma besser gehorcht als ich, kann niemand ernsthaft behaupten. Ich würde bestenfalls für ein faires Unentschieden plädieren.
Gut, ich gebe zu, dass ich, wenn es lieblich duftete, bisher zwei Mal verduftet bin,
aber ist das nicht irgendwie menschlich?

Habe ich nicht schon mal die Frage gestellt, ob eine solche OP den Schreibstil eines bloggenden Hundes negativ beeinflusst? Wird die platonische Liebe das Einzige sein, was ich zu dem Thema Liebe beisteuern kann?
Ge(h‘)n meine Gene der Nachwelt verloren, und haben nur meine Worte (im Internet) den Anspruch auf Fortbestand?
Welch trübe Aussichten an einem trüben Novembertag…

Drückt mir die Pfoten und bleibt mir gewogen

Euer betrübter Carl Otto

Geld stinkt nicht?

Lizenz zum Gassi-Gehen; pecunia non olet!?

Wuff wuff,

„Pecunia non olet,“ (Geld stinkt nicht).

Das war eine Erkenntnis, die schon den alten Römern in den Sinn gekommen ist.
Es ist ein wahrhaft anrüchiges Thema, wo ich als Hunde-Philosoph in die Niederungen der Fäkalsprache abgleiten muss, um dem Thema gerecht zu werden.
Wie Ihr seht, habe ich die ‚römische Behauptung‘ mit meiner feinen Nase überprüft und stelle fest, dass an dieser Aussage etwas dran ist. Sollte dieses Geld durch Beschiss verdient worden sein, oder mit einem beschissenen Job, es riecht trotzdem nur nach bedrucktem Papier und unterschiedlichen Menschenfingern.
Herrchen wollte auf dem Foto scheinbar aus mir einen ‚Schein-Heiligen‘ machen ? Etwa, weil er jetzt nur noch mein ‚Schein-Herrchen‘ ist? Aber dazu später!

Als die alten Römer quasi mit ihrem Latein am Ende waren, wie sie den Bürgern Geld aus der Nase ziehen können, um ihren öffentlichen Bedarf an Steuern und Gebühren zu befriedigen, kam die eher anrüchige Idee auf, öffentliche Bedürfnisse zu besteuern, also im wahrsten Sinne aus Sch..ße Geld zu machen.
In Goslar gab es im Sommer das Musical ‚ Pinkelstadt‘, wo man einen ähnlichen Gedanken verfolgte, um die Not oder Notdurft der Menschen zu versilbern.

Die Städte und Kommunen machen es ja bei der Hundesteuer ähnlich, die früher wohl auch als ‚Hundekack-Steuer‘ bezeichnet wurde.
Damit man in Goslar über diesen Verdacht erhaben ist, hat man wohl jetzt hier die Extrasteuer für Kampfhundrassen eingeführt. Darüber habe ich ja vor ein paar Wochen schon mal meine Meinung gesagt.
Eigentlich finde ich es aber erstaunlich, dass das Steuerrecht bei Hunden bis auf diese Ausnahme noch so unkompliziert ist.
Irgendwie hätte man nun erwarten können, dass Kleintier-Hundebesitzer nach der Einführung der Kampfhundesteuer nach Gerechtigkeit rufen, weil ein Schäferhund deutlich größere Haufen macht als ein Rehpinscher. Man könnte ja auch nach der Beisskraft von Kiefermuskeln besteuern oder wie bei Autos von einem geringeren Schadstoffausstoß ausgehen. (aber das ist ja scheinbar der größte Beschiss!) Vielleicht helfen ja auch Hubraumbetrachtungen bei Hunden weiter, um der weltbekannten ‚deutschen Steuerkomplexität und Steuergerechtigkeit‘ näher zu kommen.
Die Hundesteuer gab es ja schon zu Zeiten, wo sich Frauchen und Herrchen noch nicht so intensiv um die Notdurft ihre vierbeinigen Fellnasen gekümmert haben. Damals war das Rasenmähen in städtischen Parks noch ein wahrhaft beschissener Job.
Man darf gespannt sein, welche feinen Abstufungen den Politikern und städtischen Beamten noch einfallen, um einen Nachweis für ihre Daseinsberechtigung zu liefern.
Es gibt ja noch zahlreiche andere Haustiere. Was ist eigentlich mit Pferden, die kämen ja als Haustier oder gar als Fahrzeug in Betracht. Es gibt doch noch zahlreiche Möglichkeiten, den Menschen Geld aus der Nase zu ziehen
Mal sehen, wann Herr Schäuble mein Facebookfreund wird und meine fisikale Kreativität aktiv umsetzen möchte. Aber dann werde ich wohl noch ein Beamten-Hund.
Nun, auf Landesebene ist man in Niedersachsen den örtlichen Beamten einen großen Schritt voraus und hat sich eine Art ‚Hundeführerschein‘ einfallen lassen.
Ein Meilenstein der hiesigen Landespolitik, ein politisches Leuchtfeuer gegen die Schreckensmeldungen, die man im Zusammenhang mit Hundehaltung und Beissattacken lesen muss.
Man könnte es aber auch etwas boshaft als ‚Lizenz zum Gassi-Gehen‘ bezeichnen. Für diejenigen unter Euch, die es nicht glauben können: man muss in Niedersachsen nun als Hundehalter diesen Nachweis erbringen, sofern mann nicht nachweisen kann, in den letzten fünf Jahren mindestens zwei Jahre als Hundehalter tätig gewesen zu sein.
Herrchen hat sich verweigert, diesen ‚bürokratischen Akt‘ mit mir zu machen. Da nun eine behördliche Abschiebung für einen ‚politisch ambitionierten Hunde-Philosophen‘ (also mich) drohte, hatte es also Benni getroffen, der sich als Student für solche Prüfungen geeignet ansah. Doch siehe da, bei der theoretischen Prüfung ist er leider über eine Frage mit Scheinschwangerschaft gestolpert ( er sagte, er habe verkackt ), und er musste sein fehlendes Wissen mit 60 Euro bezahlen. (und fühlte sich im doppelten Sinne beschi…n)
Wem nütz das?
Derjenige, der das Geld kassiert hat, wird es mit den oben zitierten Römern halten, obwohl es Benni ziemlich gestunken hat, dort nochmals zum Test antreten zu müssen.
Inzwischen hat er den Schein, und für mich stellt sich nun scheinbar die Frage, ob Herrchen ab nun nur noch mein ‚Schein-Herrchen‘ ist oder Benni mit seinem ‚Hunde-Führerschein‘. Ist das ein Trend zum ‚Zweit-Herrchen‘?
Aber da geht noch was!
Hat in der Politik auch schon mal jemand weiter gedacht, als bis zum nächsten Hundehaufen?
In jeder Familie und in jedem Wolfsrudel herrscht Arbeitsteilung. Hunde können nicht immer nur mit Frauchen oder Herrchen Gassi gehen, sondern andere Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn übernehmen den Job.
Streng genommen brauchen doch diese Personen erst Recht eine Lizenz, weil sie viel weniger Routine mit Hunden haben. Bei unserer Familie wären auf die Art und Weise noch mal 500 Euro zu holen.
Liebe Kommune, liebe Landesregierung, der kleine Carl Otto eröffnet neue Geldquellen und erschließt neue gedankliche Dimensionen. Liebe Hundehalter: zieht Euch warm an!

Aber, eine ernsthafte Frage bleibt mir doch.
Warum lässt man nicht einfach die Besitzer von sogenannten Kampfhund-Rassen den Hunde-Führerschein machen?
Da würde man zwar weniger Geld verdienen, aber viele mögliche Probleme lösen. Jeder Hund, der sich nicht benehmen kann, muss mit seinem Herrchen zur Prüfung und darf auch nur mit geprüften Personen und/oder Maulkorb in die Öffentlichkeit.

Klingt irgendwie einfach und durchdacht und dauert eigentlich nur fünf Minuten.
Bestimmt ist es sinnvoll, wenn Menschen mit viel Erfahrung und Kompetenz ( wie Tierärzte und Politiker) überdenken, aber ich befürchte, dass dann am Ende wieder der oben genannte ‚Römische Grundsatz‘ die Oberhand gewinnt und nicht die Vernunft.

Es grüßt Euer ‚Schein-Heiliger‘

Carl Otto

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Hilfe, Alma kommt …

Wuff wuff,

schon damals in der Wurfkiste von Pollhagen war Alma eine kleine ‚Wuseltante‘, die den kleinen Carl Otto auf Trab hielt.
Immer wenn wir uns sehen, machen wir das, was menschliche Geschwister auch gerne tun: Wir spielen und ZANKEN.
Uns würde etwas fehlen, wenn wir dies nicht tun können.
In unserem ersten Lebensjahr wurde diese Art von Zusammenspiel eigentlich immer von Euch Menschen unterbrochen, in dem man die Gegenseite bat, das heimische Areal zu verlassen, oder einer von uns beiden wurde weggesperrt.
Wisst Ihr eigentlich, wie erniedrigend sich das anfühlt, wenn man im eigenen Reich weggesperrt wird? Na gut, ich gebe zu, dass im Aussichtsreich oft Alma in den Kerker musste.

Herrchen vertritt die Ansicht, dass man an dem Zustand zwischen Alma und mir doch etwas verbessern könnte, in dem man uns einfach mal länger zusammen sein lässt (er hat wohl ‚Geschwister-Alzheimer‘ oder wie kommt er auf diese Idee?!)
Er wollte dabei die Rolle des Dompteurs und Mediators einnehmen, in dem er sich um uns viel kümmern möchte.
Heute sollte (notgedrungen) dieser Tag sein, da Sophie und Maxi ihr Aussichtsreich mit einer schönen Aussicht auf Gran Canaria tauschen wollten. Da kein Freiwilliger in Aussicht war, Alma heute zu hüten, traf Herrchen und mich diese Aufgabe.
Erst für den Rest der Urlaubszeit gab es Freiwillige, die Alma eine Urlaubsbleibe geben wollen. Bei uns ist nämlich Aika die nächste Woche zu Gast und das klappt eigentlich immer prima.
Aika kann übrigens Türen öffnen, aber diese (ausbruchs-) Kunst habe ich mir heute nacht selbst beigebracht.
Benni hat es allerdings am frühen Morgen bereits entdeckt, weil ich dem Zeitungsboten morgens um 5 Uhr eine lautstarke Begrüßung geboten habe. Somit wurde meine nächtliche Freiheit um 5 Uhr beendet.
Leider wurden im Familienkreis schon heute Gegenmaßnahmen festgelegt, so dass der nächste Ausflug mit einer menschlichen Unaufmerksamkeit in Verbindung stehen muss. Ich bin jedoch guter Hoffnung zu weiteren Ausflügen und lasse mich durch solche theoretischen Beschlüsse nicht verunsichern.
Ich kenne doch meine Familie inzwischen recht gut.

Aber nun zum heutigen ‚Alma-Beziehungs-Experiment‘.
Um 6:30 Uhr wurde Alma einem verschlafenen Herrchen übergeben mit den Worten: “ um 9 Uhr wird Alma abgeholt!“ Während die Beiden eiligst das Haus verließen kam mit einem hämischen Grinsen der Ergänzungssatz: „aber erst heute Abend.
Das Stichwort übergeben ist übrigens ein passendes Wortspiel, da Alma noch während sich Herrchen die Frage stellte, ob Alma schon etwas zu fressen bekommen hatte, eine recht eindeutige Antwort in der Küche gab.
War das die geheimnisvolle Alma-Diät?
Leidet meine Schwester heimlich unter Bulimie?
Ich bin mir aber sicher, dass sie sich keine Pfote in den Hals gesteckt hat.
Wollte sie nonverbal zum Ausdruck bringen, wie sie es findet, mit ihrem Bruder 15 Stunden lang zusammen zu sein?
Das glaube ich nicht, denn wir haben doch unsere Wurfkiste 8 Wochen lang gemeinsam bewohnt. Dann tippe ich doch eher auf die Tatsache, dass Frauchen und Herrchen sie einfach verlassen haben.
Meinem Herrchen war diese Fragestellung recht egal, denn eine nicht unerhebliche Menge von Mageninhalt musste nun im Beisein von zwei tobenden Hunden möglichst elegant und sauber beseitigt werden.
Man sollte nicht glauben, dass ein solch eruptiver Moment bei Alma aufs Gemüt schlägt. Nein, sie wirkte eher wie entfesselt und befreit.
Als Herrchen die sorgsam gesammelten Mageninhaltsstoffe zur Mülltonne bringen wollte, bekam sein eher wohlwollendes Gemüt einen negativen Ausschlag, weil nämlich die Mülltonne mit ‚irgendwelchem Scheiß‘ ( das waren seine Gedanken und Worte) bis oben hin gefüllt war und Almas Hinterlassenschaft dort keine Bleibe finden konnte.

Nun kann man sich vorstellen, dass Herrchen an diesem Morgen sich nicht unbedingt als der glücklichste Mensch auf Erden ansah. Als er dann aber auch noch sah, wie Alma aus unserer Toilette trank, obwohl in meinem Trinknapf Wasser war, zweifelte er an der Erziehung in Bad Harzburg und hatte plötzlich eine Idee, wie man sich als Hund eine Magen-Darm-Infektion holen kann.
Ich muss Alma aber auch wenig in Schutz nehmen, denn Ihr könnt Euch vielleicht denken, wie Herrchen sein Entsorgungsproblem gelöst hatte.
Es roch wohl noch vertraut?!

Nach diesem etwas verunglückten Start versuchte Herrchen dann seine Hunde-pädagogischen Pläne mit uns umzusetzen und hat mit uns einen wirklich langen Spaziergang gemacht.
Das hat auch wirklich prima geklappt, bis wir dann die ersten Begegnungen mit Menschen hatten.
Alma hat einfach etwas besonderes, was speziell bei Begrüßungen mit Menschen zum Ausdruck kommt. (Den ‚Alma-Begrüßungs-Jump‘.). Aber als ‚Foxred-Labrador-Doppelpack‘ bekommt man von vielen Menschen einen Sympathie- oder Wohlwollens-Bonus.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang hat Herrchen uns dann ein Gemeinsames Frühstück gegönnt, was aber auch zunächst mit Hunde-pädagogischen Vorübungen verbunden war.
Meine liebe Schwester ist geprägt von einer großen Ungeduld.
Bei mir gibt es das Fressen erst nach einem ‚Gehorsams-Programm‘, das schon fast zu einem Ritual geworden ist. ‚ Kein Fressen ohne Kommando‘ könnte der Leitsatz sein. Ich sehe es fast positiv, da ich das Gefühl habe, mir das Fressen redlich verdient zu haben. Manchmal werde ich dabei ungeduldig und reihe einfach die bisher dummsinnigsten Kommandos hintereinander, so dass mein Kommandeur meist lachend das Signal zum Fressen gibt.
Bei meiner Schwester Alma läuft das daheim wohl anders.
Sie hat Herrchens Regelwerk jedoch schnell begriffen, auch wenn sie einige Kommandos doch recht eigenartig interpretierte, hatte sie verstanden, dass es Fressen nur auf Kommando gibt.
Leider hat sie dieses zweite Frühstück auch ohne Kommando später wieder von sich gegeben. Nun könnte man aus dem Verhalten eine gewisse Abneigung gegenüber Herrchen interpretieren, aber ich würde mal eher auf ein klassisches ‚Magen-Darm-Problem‘ tippen, was mich später auch noch ereilte.
Während ich jedoch die Botanik im Garten mit meiner Magenintoleranz aufsuchte, hatte Alma noch mal Herrchens Haushalts-Künste getestet.
Neben diesen speziellen Problemen, hat Alma aber noch ein zusätzliches Hobby, was einer ambitionierten Hausfrau Sorgenfalten bereiten kann, aber bei Herrchen einen mittelschweren Blutsturz auslösen kann.
Egal, wie die Wetterlage ist, hat Alma die Neigung, bei uns im Garten ein Vollbad zu nehmen. Am Anfang des Jahres war dieses kleine Biotop die Heimat von Molchen, Kröten und Moder, der sich im Laufe der letzten Jahre gesammelt hatte.
Niemand störte sich bisher an diesem eher unbeachteten Biotop, das ohne jede Beachtung durch Mensch und Tier einfach nur existent war.
Bis eines Tages Alma dieses seichte Gewässer für sich entdeckte.
Das Ergebnis war im wahrsten Sinne atemberaubend, denn Alma hinterließ nach dem ersten Vollbad nicht nur sichtbare Spuren im Wohnzimmer und in der Küche, sondern roch auch recht eigentümlich, was aber weniger sie sondern mehr die Menschen störte. Gemeine Menschen wähnten sogar ein Brennen in den Augen in der Nähe von Alma. Auf jeden Fall war allen klar, dass Herrchen Abhilfe schaffen sollte. Als Herrchen sich an sein Werk machte, die Wasserqualität zu verbessern, hatten die Molche das Gewässer schon verlassen und auch die letzte Kröte zog es vor, sich freiwillig auf den Weg in ein Exil zu machen.
So konnte Herrchen sich darauf konzentrieren, den Moder zu beseitigen und die Wasserqualität zu verbessern.
Diese gute Tat wird von Alma inzwischen so interpretiert, dass sie sich quasi verpflichtet fühlt, bei uns im Garten ein Vollbad zu nehmen.
Diese Pflichtgefühl hat sie heute drei Mal gehabt.
Es ist ja wohl jedem klar, dass ein Hund im Oktober nicht so schnell trocknet und entsprechende feuchte Dokumente der Badetätigkeit ins Haus trägt.
Aber das war ja nicht mein Problem, sondern eher das von Herrchen.
Herrchens Problem bestand ja auch darin, dass die Heizungsbauer im Haus waren, die neben uns Hunden auch seine Aufmerksamkeit erforderten.
Kaum waren die weg, klingelte gleich der Schornsteinfeger, und während der Herrchens. Aufmerksamkeit beanspruchte, waren. wir plötzlich weg. Herrchen fand uns zwar ganz schnell und für mich brachte der Tag eine Wende, da ich zum ersten Mal den Duft der Liebe wahr nahm und Alma irgendwie vergaß.
Als Alma dann abends weg war, wurde es Zeit, ein Fazit zu ziehen.
Ich fand es ‚ganz schön‘ und Herrchen ‚ganz schön anstrengend‘.

Wuff wuff

Euer Carl Otto

PS: Gerade kommt ein Anruf: morgen um 7 Uhr wird Alma hier abgegeben und bleibt den ganzen Tag;. Das hätte Maxi doch so abgesprochen…
Herrchen?.. bleib doch hier ….weg ist er…

Wuff wuff,

„Mariechen, lass ma‘ riechen“, sagte Mariechen. Da ließ Mariechen Mariechen ma‘ riechen!…
… zum Thema Geruchssinn habe ich ja schon mal etwas sinnvoller mein Wissen und meine Erkenntnisse Euch verdeutlicht und dabei festgestellt, dass Ihr ‚Nasen-Technisch ‚eher Auslaufmodelle der Evolution seid und keinen Grund habt, über das Auslaufmodell Carl Otto zu lachen.
Trotzdem staune ich, wie unterschiedlich Menschen duften können und möchten. Besonders weibliche Wesen geben gerne große Geldbeträge dafür aus, um in kleinen Fläschchen verschieden Düfte zu erwerben.
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viele Fläschchen, Tiegel und Tuben sich ansammeln, wenn man mit drei weiblichen Wesen unter einem Dach wohnt.
Da fragt man sich als kleiner Hund: wo für benötigt man soooo viele unterschiedlich Düfte?
Carl Otto testet Düfte und Verduften

Aber eigentlich wollte ich ja hier von den eigenen Erfahrungen schreiben, obwohl diese dominanten menschlichen Parfums durchaus zu meinen Erfahrungen zählen.

Ich bin ja nun ein Jahr alt und somit ein Jungspund oder gar ein Heißsporn. Manche Menschen sprechen auch von einem ‚Spring-ins-Feld‘, ohne dass ich die leiseste Ahnung davon habe, was das wohl sein soll.
Carl Otto der Spring-ins_Feld
Ich frage mich dabei gerade, wie man bei Alma diese Lebensphase bezeichnen würde?

Mit zunehmendem Alter interessiert man sich plötzlich für ganz andere Dinge, denen man vorher nur am Rande Beachtung geschenkt hat.
Dazu zählen bei mir zum Beispiel neue Düfte, aber auch das Verduften, eine Begrifflichkeit, die dafür steht, sich möglichst umbemerkt aus seinem gewohnten Umfeld zu entfernen und in der Entfernung möglichst zahlreichen Eigenmächtigkeiten nachzugehen.
Es ist dabei naheliegend, das die Angehörigen des Verdufteten das nicht unbedingt dufte finden.
Bei den Menschen ist der Satz: “ Schatz, ich geh‘ mal eben Zigaretten holen…“ der Klassiker, wenn Männer verduften wollen. Nichtraucher erfinden ein entsprechendes Teil, um diesen Klassiker für sich zu nutzen.
Wir Hunde verzichten auf verbale Erklärungen, wenn es nach Freiheit, Liebe oder Abenteuer duftet und verduften still, heimlich aber unglaublich schnell, um möglichst außer Hörweite zu sein. Menschen müssen im Zustand des Verduftens ihr geliebtes Handy ausschalten oder ignorieren.
Im Zustand des Verduftens ist die Hörfähigkeit bei Menschen und Hunden erwiesenermaßen eingeschränkt.
Keine Rehe in der Nähe
Nach so viel Theorie nun mal konkrete Beispiele über Düfte und Verduften:
Bei uns hinter dem Haus steht in den Abendstunden Wild auf der Bergwiese und geniest äsend scheinbar den Ausblick auf die Stadt.
Bisher hatte ich mich damit abgefunden, dass Hirschlosung zu meinen Nahrungsergänzungsmitteln zählte. Die Erzeuger dieser Nahrungsform waren für mich jedoch eher abstrakte Wesen.
Das hat sich nun neulich geändert, seit ich mit Herrchen im Sommer einen Besuch in Bad Harzburg gemacht habe. Die besuchte Dame hatte einen schönen Garten direkt am Wildgehege. Ein stabiler hoher Zaun trennte die Rehe und Carl Otto voneinander, so dass Herrchen keine Berührungsängste hegte. (dieser Satz steht nicht in einem Zusammenhang mit der Dame!)
Die Rehe schauten auch sicher und zufrieden, wohl wissend oder eher glaubend, dass dieser Zaun zu ihrem Schutz errichtet wurde und nicht nur, damit sie nicht verduften.
Also dufteten sie zufrieden vor sich hin, und Herrchen unterhielt sich angeregt und zufrieden in der untergehenden Abendsonne.
Während seine Nase nichts von dem köstlichen Rehduft wahrnahm, erkannten seine Augen jedoch einen Seitenwechsel, den sein Hirn schnell als ’nicht korrekt‘ interpretierte. Ich konnte Herrchens verdutztes Gesicht nämlich von der anderen Seite des Wildgatters aus deutlich sehen, da ich zwischenzeitlich den Garten gegen das Gehege getauscht hatte (von wegen dicker Otto!).
Nicht nur Herrchen, sondern auch die Rehe hatten inzwischen realisiert, dass die Perspektiven zwischen sicher und unsicher zu ihren Ungunsten verschoben hatten und beschlossen, nun gemeinsam zu verduften, denn sie konnten ja nicht ahnen, dass ich lediglich an Düften interessiert war. Ich wollte aber auch nicht den Ruf als ‚lahmer Otto‘ haben, so dass wir das Wildgehege mehrmals im Kreis gemeinsam im Schnelldurchgang erkundet haben. Herrchen hatte inzwischen einen recht hektischen Gesichtsausdruck und seine Stimme überschlug sich förmlich, als er meinen Namen rief. Irgendwie schien ihm das alles wohl recht ernst (die alte Spaßbremse!) zu sein, und er stand an der Stelle, die ich als Fluchttunnel geschaffen hatte.
Es sollte ja schließlich ein harmonischer Abend bleiben, so dass ich brav zurück gekrochen bin. Als Lohn bekam ich allerdings Leinenzwang, was natürlich die allgemeine Frage aufwirft: „wie geht man mit einem reuigen Rückkehrer um? “
Meckert man, bestraft man ihn, oder gibt man seine Freude zur Wiederkehr zum Ausdruck?
Irgendwie ist alles nicht richtig, somit erscheint mir ‚eisiges Schweigen‘ und finsterer Blick der geeignete Weg.
Ich hatte so oder so meine Lektion gelernt. Reh riecht lecker und lässt sich prima jagen! Herrchen hätte ja gerne auf diese Lektion verzichtet, aber wer sich einen Jagdhund anschafft, muss mit dieser Leidenschaft irgendwann rechnen.Das gilt auch, wenn man sich einen Rüden anschafft, der noch all seine Kräfte besitzt. Denn wenn der ‚Duft der Liebe‘ eine männliche Hundenase betört, dann ist ein Verduften scheinbar vorprogrammiert. Obwohl,ich gestern mit Alma und Herrchen einen schönen Spaziergang gemacht habe, hatte ich auf einmal an Alma überhaupt kein Interesse mehr, denn ich wurde plötzlich von einem Duft betört, wie ich ihn vorher noch nicht bewusst wahr genommen hatte.
Herrchen hatte weder Leckerlies noch Leine bei sich, was er sehr schnell als fatalen Fehler einsah. Während Alma sich bereitwillig von Herrchen kommandieren lies, war ich nicht mehr ansprechbar oder zu stoppen.
Diesem Duft war ich verfallen, es war um mich geschehen, und ich sage Euch, kein Leckerli dieser Welt hätte mich zurück halten können, diesem Duft zu folgen. Ein Herrchen ohne Leine natürlich erst recht nicht.

Ist das eigentlich der Grund, warum bei Euch Menschen die Frauen so gerne ein Parfum nehmen? Die Natur hat Euch scheinbar benachteiligt.
Bleibt auch die Frage: Mit welchem Parfum lockt man den richtigen Mann?
Falsch gewählt hat man scheinbar, wenn der Mann sagt: “ Schatz, ich geh‘ mal eben …“

In diesem Sinne verdufte ich aus dieser Episode

Bleibt mir gewogen

Wuff wuff

Carl Otto

PS: Auf Facebook steht seit gestern schon etwas vom ‚liebestollen Carl Otto‘ am blauen Haufen‘