trübe Novembergedanken eines Hunde-Philosophen

Geld und Glück, Rasse und Klasse

Wuff wuff,

das Foto aus der letzten Episode hat bei vielen Menschen unterschiedliche Emotionen aus gelöst.
Ist das echtes Geld?
Habt Ihr keine Angst, dass eingebrochen wird?
Oh, so viel Geld möchte ich auch haben…

Als Hund gehe ich mit diesen bedrucken Papierstückchen etwas distanzierter um und eher unemotional. Gestern hat mir Herrchen ein solches Stück Papier aus dem Maul gezogen. mit den Worten: „Oh guck mal, Carl Otto hat einen Geldschein im Maul!“ Dass darauf ein schneidiges “ AUS “ folgte, könnt Ihr Euch ja denken. Dieser Geldschein duftete aber auch verführerisch nach Schokolade, war er doch an einer Tafel Schokolade zu Carlottas Geburtstag befestigt.
Komischerweise hat niemand die Schokolade vermisst ( das habe ich vor einem Jahr ganz anders erleben müssen), sondern man interessierte sich scheinbar mehr für meine selbst gewählte Papier-Serviette.

An trüben Novembertagen kommt auch ein Hund mal auf trübe Gedanken, über Freud und Leid zu sinnieren. „Des Einen Freud, des anderen Leid“, sagt Ihr Menschen ja auch gerne, aber hat jemand Freude, wenn ich leide? (dazu später)

Macht Geld eigentlich glücklich?
Ja, sagen die, die es nicht haben und nein, die, die es haben.
Geteiltes Glück ist doppeltes Glück, geteiltes Geld ist aber eher die Hälfte und somit deutlich weniger als beim Glück.
Aus meiner Hundesicht gibt es somit zwischen Glück und Geld keine offensichtlichen Zusammenhänge.
Für mich ist es ein großes Glück, wenn etwas Leckeres vom Esstisch fällt, sollte ich es mit Alma teilen müssen, wäre es für mich eher Leid als doppelte Freude. Aber das wäre für mich kein Anlass, mit einem Bus oder Taxi zu fahren oder zu einem Weinbusch zu laufen.
Wie kommt denn Carl Otto auf so komische Gedanken?
Ein bekannter Mensch mit dem Namen Günther hat auf die Frage, ob Geld glücklich macht, ironisch gesagt, er weine lieber im Taxi als im Bus. Vielleicht hat er sich deswegen auch noch ein Weingut gekauft. Aber bevor ich über sein Weingut sinniere, und mir die Frage stelle, warum Herrchen bei uns vor und hinter dem Haus einen Weinbusch gepflanzt hat, komme ich gedanklich lieber Bus und Taxi näher.
Wenn ein Mensch im Taxi leider weinen muss, dann hat er doch ein Leid. Das lässt sich im Bus viel besser und leichter teilen als im Taxi. Danach ist der weinende Mensch im doppelten Sinne erleichtert, aber Im Taxi hat man am Ende der Fahrt auch deutlich weniger Geld als im Bus. Der Taxifahre hat nach der Fahrt mehr Geld als der Busfahrer. Wer von den beiden ist denn jetzt glücklicher?
Ihr merkt, dass ich als junger Hund doch noch etwas überfordert bin, Glück, Geld und Leid in den richtigen Konsenz zu bringen.
Aber beim Leid verhält es sich wohl eher wie beim Geld, weil man auch nur noch die Hälfte hat. Das ist dann wohl eher positiv, weil man beim geteilten Leid scheinbar etwas gewonnen hat, weil man nur noch die Hälfte hat.
Für einen jungen Hund sind solche mathematisch-philosophischen Überlegungen nicht immer plausibel, aber ich werde weiter aufpassen.

Habt Ihr mal versucht, mit einem 500-Euroschein etwas zu kaufen?
Jeder freut sich über 500 Euro als Betrag, aber niemand möchte einen solchen Schein haben.
Tankstelle? Fehlanzeige!
Supermarkt? Nein Danke!
Als ob ein solcher Schein Unglück über seinen Besitzer bringt.
Autokauf? Kein Problem!
Bank? Bitte zahlen Sie ein! (da ist es nun)
(Ob diese Annahmestellen dann letztendlich glücklich sind?)/
Aber ein junger Hund muss ja noch nicht alles verstehen.
So konnte ich aber mal miterleben, wie aus unserem grünen Bus Geld wurde. Der Bus war mir aber lieber als diese geruchlosen bedruckten Papiere, da ich mit dem Bus den Geruch meiner neuen Heimat verbinde, der mich zusammen mit Alma bei Holger abgeholt hat. Ein Jahr ist es ziemlich genau her, und ich werde doch etwas sentimental, wenn ich hier lese, was ich schon alles erlebt habe.
Sentimental und schwermütig werde ich allerdings, wenn ich überlege, was mir nun bevorsteht.

Als junger Hund bin ich ja noch auf der Suche nach Sinn und Besinnung und versuche die Welt der Menschen mit meinem Hundeverstand zu verstehen.

Sprach ich vorhin von Leid?
Meine K-Frage scheint nun endgültig besiegelt zu sein, denn mein Schein-Herrchen Benni hat gestern einen telefonischen Termin gemacht.
Am 8. Dezember um 10 Uhr ist die Hinrichtung meiner Männlichkeit terminiert. „Da werden bei Otto die Os entfernt“, solche schmachvollen Witze muss ich mir hier anhören.
Ist es nicht die eigentliche Wesensbestimmung eines jeden Lebewesens, seine Gene neu zu vermischen und an die nächste Generation weiter zu geben?

Ihr Menschen legt ja scheinbar mehr Wert auf Funktion und Design, wenn man Euch beobachtet, wie Ihr Autos, Kleidung oder technische Geräte auswählt.
Bei der Hundewahl ist das scheinbar nicht anders. Hatte ich nicht mal Automarken und Hunderassen miteinander verglichen? Menschen möchten scheinbar repräsentieren und präsentieren. Wählt der Mensch den Hund nach einem Status aus? Ich fürchte ja.
Manche möchten aber auch nur einen Hund mit einer tragischen Vergangenheit und Geschichte. (Das habe ich ja auch schon mal erzählt)
Eigentlich ist das doch Unfug, denn was zählt, ist doch der individuelle Charakter. Wenn ich mal alle Labradore rund um den blauen Haufen mit mir vergleiche, sehe ich recht klar, dass Ihr da extrem oberflächlich denkt und handelt. Aber da seid Ihr Menschen ja in guter Gesellschaft und könnt Euch gegenseitig bestärken.
„Ah, ein Labrador. Labradore sind ja …“
Bei Autos und Gegenständen mag eine Klassifizierung ja sinnvoll sein, aber bei Lebewesen?
Ist es nicht schon gefährlich, wenn Ihr Menschen im Hinblick auf Lebewesen einen Satz mit ALLE beginnt. Alle Deutschen, alle Araber, alle Juden …, da kann doch am Ende eigentlich nichts folgen, was einer kritischen Betrachtungsweise Stand hält?
Trotzdem strebt das menschliche Hirn zur Vereinfachung und zur Klassifizierung.
Alle kastrierten Hunde sind friedlicher und gehorchen besser.
Meine Freundin Aika hat in meinem Beisein schon eine Arztrechnung erzeugt, obwohl sie kastriert wurde und dass meine Schwester Alma besser gehorcht als ich, kann niemand ernsthaft behaupten. Ich würde bestenfalls für ein faires Unentschieden plädieren.
Gut, ich gebe zu, dass ich, wenn es lieblich duftete, bisher zwei Mal verduftet bin,
aber ist das nicht irgendwie menschlich?

Habe ich nicht schon mal die Frage gestellt, ob eine solche OP den Schreibstil eines bloggenden Hundes negativ beeinflusst? Wird die platonische Liebe das Einzige sein, was ich zu dem Thema Liebe beisteuern kann?
Ge(h‘)n meine Gene der Nachwelt verloren, und haben nur meine Worte (im Internet) den Anspruch auf Fortbestand?
Welch trübe Aussichten an einem trüben Novembertag…

Drückt mir die Pfoten und bleibt mir gewogen

Euer betrübter Carl Otto

Carl Otto teilen?
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