Carl Otto und der Nürnberger Trichter

Carl Otto und der Nürnberger Trichter

Wuff wuff,

vielen Dank an meine ‚Tante auf zwei Beinen‘ für die Kekse, die als Trost für die Hinrichtung meiner Männlichkeit gestern hier eingetroffen sind. So ein Keks trifft meine aktuelle Situation recht gut, weil die Selbige mir auf den Selbigen geht.
Ich bin nun frisch kastriert und eingetrichtert!

Carl Otto und der Nürnberger Trichter

Als Hunde-Philosoph behaupte ich ja immer, dass alle Dinge eine Frage des Betrachtungswinkels sind und man die Dinge von verschiedenen Seiten betrachten kann, aber habt Ihr schon mal in einem Trichter gesteckt?
Das ist schon eine neue Lebensperspektive, wenn auch eine recht einseitige und hoffentlich eine nur kurzzeitige. Meine Lebensperspektive als ‚Genmultiplikator‘ ist nun doch beendet, bevor sie begonnen hat, und das recht langfristig, also für immer. Mit diesem blöden Trichter kann ich noch nicht mal die Veränderung zwischen meinen Beinen sehen. Wahrscheinlich spielen die Menschen hier auf Zeit, so dass ich den Trichter erst abgenommen bekomme, wenn ich nicht mehr weiß, wie es vorher war.
Als bekennender Optimist und Realist sowie Verfechter der Kölschen Grundgesetze, versuche ich mal meine aktuelle Situation optimistisch und realistisch zu werten.
Da fällt mir doch gleich Paragraph 4 ein: „Wat fott is, is fott“, gefolgt von § 5 der Kölsche Grundgesetze: „Et bleev nix wie et wor.“
Tröstend ist der § 7 : „Wat wellste maache?“ , aber bis ich mich an § 11 ( „do laachste dich kapott“) halten kann, vergehen noch ein paar philosophische Stunden der Besinnung.

Warum haben die Menschen eigentlich so viel Verlangen, in die Schöpfung des Tierreichs einzugreifen? Herrchen würde vermutlich einwenden, dass die Menschen das ja bei Pflanzen genau so machen und Luft, Wasser und Erde sind vor Euren Eingriffen ja auch nicht sicher.
Der Mensch züchtet scheinbar gerne, und wir Labradore sind ja auch das Resultat solcher menschlichen Zuchtbemühungen. Ich wurde allerdings jetzt von meiner Familie für die Zucht ausgemustert. Nun könnte man philosophisch fragen, welche Menschen die Besseren sind? Diejenigen, die züchten, oder die, welche ein Verlangen zur Zucht züchtigen?

So ein Trichter fokussiert ja viele Dinge und schon im Mittelalter gab es ja den ‚Nürnberger Trichter‘, der den Menschen zu mehr Klugheit und Verstand verhelfen sollte. Das hat wohl bei vielen Menschen nicht so richtig funktioniert, aber bei mir kommen mit einem Trichter um den Kopf kluge Gedanken und neue Perspektiven zum Thema Menschen und Tierzucht.
In dem Zusammenhang möchte ich gleich mit Euch Menschen gerne buchstäblich ‚ein Hühnchen rupfen‘. (Wo kommt diese Redewendung eigentlich her?)
Denn Hühnernachwuchs hat es ja offensichtlich deutlich schwerer als ich.
Da werden die männlichen Küken (oder „Möchtegern-Hähne“) sofort kurz nach der Geburt umgebracht, weil man sie nicht gebrauchen kann. Aus dem Blickwinkel ist mein Schicksal doch schon gleich als Glück zu werten. Wenn man den Lebensweg eines weiblichen Hühnchens verfolgt, so fragt man sich als verwöhnter Hund, welches Geschlecht das gnädigere Schicksal hatte, aber auch: „Wisst Ihr Menschen eigentlich, was Ihr diesen Geschöpfen antut?“
So ein Küken kommt in einem Brutkasten zur Welt, hat nie Vater oder Mutter gesehen und landet, ohne jemals geflogen zu sein (außer vielleicht tiefgekühlt) nach etwa 6 Wochen bei Euch auf dem Teller. Was für ein Leben!

Ihr seht, mein Blick durch einen Trichter eröffnet mir ganz neue Perspektiven.
Wenn man sich nun auch noch fragt, wie lange so ein Huhn denn hätte leben können, wenn es nicht auf dem Teller landen müsste, wird die Sache im doppelten Sinne bedenklich. 20 Jahre werden Hühner alt! Als neugieriger Hund möchte ich natürlich auch wissen, wie es bei Schweinen und Rindern ist? Rinder werden mit 30 Jahren doppelt so alt wie Schweine. ‚Gans’arme Schweine bei Euch Menschen sind aber die Gänse, da die statt möglicher 40 Jahre Lebensfreude, so gezüchtet werden, dass sie etwa zwei Wochen vor Weihnachten 28 Wochen alt sind, um dann als Weihnachtsbraten die geruhsame und segensreiche Weihnachtszeit zu bereichern. „Fröhhliche Weihnacht überall! tönet durch die Lüfte froher Schall!“.
„Carl Otto, jetzt reicht’s aber!“
Musst Du Dein persönliches Schicksal als ‚tierische Menschendebatte‘ ausschlachten?
Herrchen hat gerne Fleisch auf dem Teller…
Ja Ihr Lieben, durch (m)einen Trichter sieht man manches bei Euch Menschen viel gezielter. Ich möchte hier auch gar nicht schreiben, was Ihr Menschen Dummes mit Trichtern und Gänsen so anstellt. Aber das Thema ‚gestopfte Leber‘ bingt mich darauf, dass er gleich noch buchstäblich um die Wurst geht.

Ich stelle generell bei vielen Menschen fest: Hauptsache es schmeckt Euch und war nicht so teuer! Antibiotika muss man sich nicht umständlich aus der Apotheke holen, denn die bekommt man gratis als Zugabe der Züchter im Supermarkt.
Ich bekomme ja momentan nach meiner OP auch welche, aber als Tabletten vom Tierarzt. Für die Kosten meiner OP hätte Herrchen auch etwa 50 Tiefkühl-Hühnchen im Supermarkt kaufen können. Bevor ich jetzt berechne, ob die Menge an Antibiotika in den Hühnchen höher ist als bei den Tabletten, überlasse ich das Thema doch lieber Euch Menschen und hinterfrage lieber nicht, was in meinem eigenen Fressen alles drin steckt.
Nun habe ich also Kekse von meiner „Tante auf zwei Beinen“ geschenkt bekommen mit der Geschmacksrichtung Leberwurst. Durch meinen Trichter habe gerade erfahren, dass in Leberwurst so gut wie keine Leber enthalten ist. Da kommt aber alles Mögliche und Unmögliche rein. (gut gequirlt und gewürzt mit einen Trichter)
„Wenn da raus kommt, was da rein kommt, dann kommt der Metzger da rein, wo er nicht mehr raus kommt“, meint Herrchen.
Manchmal ist es eher schlecht, wenn man zu viel weiß, und man weiß ja auch, dass die Dummen meist glücklicher sind als die Klugen.
Darüber muss ich mal nachdenken mit meinem Trichter, ob ich lieber klug oder glücklich sein möchte.
So oder so wäre ich wohl glücklicher ohne einen Trichter um den Hals.
Aber ein oder zwei Dinge würden mich ja doch noch interessieren, bevor mein ‚Nürnberger Trichter‘ abkommt.
Ist in Nürnberger Lebkuchen Leber drin?
Oder….
…warum sind eigentlich Leberwürste beleidigt? Ihr Menschen behauptet das manchmal…
Auf jeden Fall möchte jetzt mal so einen Keks mit Leberwurstgeschmack und muss nun Herrchen auf den Keks gehen, damit er mir einen gibt.

Bleibt mir gewogen….

Grüße von eingetrichterten

Carl Otto

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